Anna Frieda Schreiber erzählt im Ost-Podcast von ihrem Leben für die Stasi. © Michael Schlieben für ZEIT ONLINE

Als Kind in einer Stasi-Familie aufzuwachsen, fühlte sich an wie "Isolationshaft", sagt Anna Frieda Schreiber. Noch heute spüre sie die Auswirkungen, sagt die 51-Jährige in der neuen Ausgabe des Podcasts: Wie war das im Osten?

Schreibers Eltern, Großeltern, der Bruder und die Tante – sie alle arbeiteten für die "Firma", den Geheimdienst der DDR. Die Eltern waren autoritär und misstrauisch. Freunde durfte sie nicht haben. Sie sei "Schablone und Abziehbild meiner Eltern" gewesen.

Schreiber, die bis 2015 als Mann und mit dem Vornamen Andreas lebte, ist kein Einzelfall. Die DDR hatte die höchste Agentendichte der Welt. In keinem anderen Land waren – gemessen an der Bevölkerungsgröße – so viele Menschen für den Geheimdienst tätig. Die Stasi war einer der größten Arbeitgeber. Allerdings durften die Mitarbeiter nicht offen über ihre Tätigkeit sprechen. Nicht mal in der eigenen Familie. 

Es kam oft vor, dass ganze Familien für die Stasi arbeiteten. Sie lebten in eigenen Wohnvierteln – und genossen einige Privilegien. Es gab Südfrüchte und für die Kinder schicke Fahrräder. 

Auch sie selbst verpflichtete sich für die Stasi – mit 16 Jahren. Später studierte sie in Golm, der Kaderschmiede der Stasi in Potsdam. Hier lernte sie, wie man richtig spioniert und missliebige Mitbürger diskreditiert. 

Heute, 30 Jahre später, sagt sie, sie schäme sich für ihre Vergangenheit. Nach der Wende hat sie versucht, offen damit umzugehen. Wie sie das gemacht hat und ob sie das geschafft hat, ob das überhaupt gut ist – darüber spricht sie mit den Moderatoren in dieser Podcastfolge.

Hier die weitere Inhaltsübersicht mit Minutenangaben:

  • 00:02:40 "Freiluftknast"
  • 00:11:10 Mutter in Kaderabteilung; "Stasi in der Stasi"
  • 00:18:30 Aufbau Stasi
  • 00:32:20 "Der Gipfel der Autorität"
  • 00:47:30 Transsexualität
  • 00:51:20 Ost-Humor
  • 00:59:10 Mit 16 unterschrieben - wieso?
  • 01:06:00 Kinder als Spitzel
  • 01:08:50 Uni in Uniform – Golm
  • 01:13:45 Wohnung ausgekundschaftet: "Dafür schäme ich mich bis heute"
  • 01:31:15 Ehefrau Kerstin: "Sie hat ihre Familie verloren, dadurch, dass sie mich liebt"
  • 01:44:00 Konspirative Wohnungen und Decknamen
  • 01:45:05 Welche Informationen wurden gesammelt?
  • 01:50:20 Poesiealbum
  • 01:55:50 Wende
  • 02:04:30 Umgang mit Stasi-Vergangenheit
Anna Frieda Schreiber erzählt im Ost-Podcast von ihrem Leben für die Stasi. © Michael Schlieben für ZEIT ONLINE