Im Prozess um die antisemitische Beschimpfung des jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut hat ein Gericht in Paris einen Mann schuldig gesprochen. Der 36-Jährige wurde zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zu den Beleidigungen Finkielkrauts kam es im Februar am Rande einer Kundgebung der sogenannten Gelbwesten.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate Haft auf Bewährung für den Angeklagten gefordert. Der Anwalt des Verurteilten kündigte Rechtsmittel an.

Nach Ansicht des Gerichts hatten die Beschimpfungen durch den 36-Jährigen einen "antisemitischen Charakter". Der Beschuldigte habe sich Stereotypen bedient, wonach Juden nicht Teil der französischen Nation seien. Der Angeklagte hatte eingeräumt, Finkielkraut beschimpft zu haben, weil er dessen "zionistische" Ansichten ablehne. Den Vorwurf des Antisemitismus wies er jedoch zurück.

Die Anklage warf ihm hingegen vor, auf der Gelbwesten-Demonstration Parolen wie "Dreckiger Zionist" und "Frankreich gehört uns" gerufen zu haben. Die Beschimpfungen sind auf Videoaufnahmen dokumentiert, die im Internet verbreitet wurden. Zu sehen ist, wie mehrere Personen den Philosophen beleidigen. Finkielkraut ist einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs.