Die maltesische Regierung hat dem deutschen Rettungsschiff Alan Kurdi mit 65 Geflüchteten an Bord die Erlaubnis zum Anlegen erteilt. Von dort aus sollen die Geretteten direkt auf andere EU-Länder verteilt werden, wie Maltas Premierminister Joseph Muscat per Twitter bekanntgab. Vorausgegangen waren demnach Beratungen mit der EU-Kommission und der Bundesregierung. Keiner der Geretteten werde in Malta bleiben, "da dieser Fall nicht unter die Verantwortung der maltesischen Behörden fiel", schrieb Muscat. Laut Laut Medienberichten hatte die maltesische Marine im Mittelmeer weitere 58 Migranten gerettet.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) teilte mit, nach intensiven Gesprächen könnten die insgesamt 123 Geretteten von zwei Schiffen in Malta an Land gehen. Auf Bitten von Malta sollten hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. "Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen." Notwendig sei jetzt aber ein tragfähiger und funtionierender Mechanismus zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Die Lage auf dem Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sey-Eye aus Regensburg hatte sich verschärft. "Drei der Geretteten sind in sehr schlechtem Zustand. Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden", sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler der Deutschen Presse-Agentur. Zwei von ihnen seien Minderjährige. 

Die Alan Kurdi – benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde – wollte zunächst im Hafen der italienischen Insel Lampedusa einlaufen. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte dem Schiff jedoch verboten, dort anzulegen.

Segelschiff Alex legt in Lampedusa an

Am Samstagabend hatte sich das Segelschiff Alex der Organisation Mediterranea über Salvinis Verbot hinweggesetzt und im Hafen von Lampedusa angelegt. Dort warteten Polizisten auf das Schiff. Zuvor hatte die Organisation den Notstand auf dem Boot ausgerufen. Die hygienischen Bedingungen an Bord seien nicht länger tragbar, schrieb Mediterranea nach zwei Tagen Wartens vor der Küste bei Twitter.  An Bord waren nach Angaben der NGO 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen.

Seehofer forderte Salvini in einem Brief dazu auf, die Blockade italienischer Häfen für Flüchtlingsrettungsschiffe aufzuheben. Er betonte, dass es sich bei der Rettung von Menschen in Seenot um eine humanitäre Pflicht handle, die nicht in Frage gestellt werden dürfe.