Das italienische Segelschiff Alex hat ungeachtet eines Verbots von Innenminister Matteo Salvini im Hafen von Lampedusa angelegt. Fernsehbilder zeigten, wie Migranten an Bord der Alex Beifall klatschten. Sie machten keine Anstalten, auszusteigen. Das Manöver am Samstag glich dem des Rettungsschiffs Sea-Watch 3 eine Woche zuvor, verlief allerdings ohne Zwischenfälle. "Wir hatten keine andere Wahl. Wir sind erschöpft, aber glücklich, diese Leute in Sicherheit gebracht zu haben", teilte Mediterranea-Sprecherin Alessandra Sciurba auf Lampedusa mit.

Salvini sagte laut dem italienischen Fernsehen, er erlaube niemandem an Land zu gehen, "der sich nicht um italienische Gesetze schert und Schleusern hilft". Zudem drohte er eine drastische Verschärfung des sogenannten Sicherheitsdekrets an. Später kündigte der Minister per Twitter an, die Strafe für Hilfsorganisationen, die mit Schiffen trotz Verbots in italienischen Häfen anlegen, von 50.000 auf eine Million Euro anheben zu wollen.

Salvini hatte der Alex per Dekret verboten, in einem italienischen Hafen anzulegen. Die Betreiberorganisation Mediterranea Saving Humans erklärte dagegen, Salvini könne einem italienischen Schiff nicht verbieten, Italien anzulaufen. Salvinis Dekret sei auch deswegen illegitim, weil die Alex aus Seenot Gerettete an Bord habe. Der Gesundheitszustand der Menschen verschlechtere sich rapide. Unter ihnen befänden sich vier Kinder und elf Frauen, von denen drei schwanger seien. Wegen der Bedingungen an Bord könne das vor Lampedusa liegende Schiff nicht bis Malta weiterfahren.

Alex hat 41 Schiffbrüchige an Bord

Die italienische Regierung hatte die Organisation zuvor aufgefordert, mit dem Rettungsschiff Malta anzusteuern. Mediterranea lehnte es aber ab, von Lampedusa rund 100 Seemeilen zum maltesischen La Valletta zu fahren, um dort die Migrantinnen und Migranten an Land zu bringen. Die elfstündige Reise sei zu lang und gefährlich. Es sei ein "unmögliches und kriminelles Verlangen, weil es unseren Kapitän auffordert, alle Geretteten und seine Besatzung einem schweren Risiko auszusetzen". Nach Angaben der Organisation befänden sich fast 60 Menschen an Bord, darunter 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen. Man habe "verschiedene Lösungen vorgeschlagen, um die Schiffbrüchigen nach Malta zu bringen", aber immer nur ein "Nein" zur Antwort erhalten.

Maltas Regierung hatte am Freitag zugesagt, die ursprünglich 54 Migranten von der Alex an Land zu nehmen, wobei im Gegenzug ebenso viele Migranten aus Malta nach Italien überstellt werden sollen. Die Besatzung bat nach eigenen Angaben darum, die Migranten an ein Boot der italienischen oder maltesischen Behörden oder an das private Rettungsschiff der Organisation Open Arms übergeben zu dürfen – offenbar ohne Erfolg.

Klagen gegen Matteo Salvini

Das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi der Organisation Sea-Eye sucht ebenfalls einen sicheren Hafen. Die Organisation habe allerdings beschlossen, zunächst nicht in italienische Hoheitsgewässer einzufahren, teilte sie über Twitter mit. "Wir beachten erst mal dieses Verbot", sagte Gordon Iser, Einsatzleiter der Hilfsorganisation. Ohne triftigen Grund werde Sea-Eye nicht gegen das Dekret verstoßen. Die Alan Kurdi hat nach eigenen Angaben 65 aus Seenot gerettete Flüchtlinge an Bord.

Der Reeder der Alex, Alessandro Metz, schrieb bei Twitter, der Vorwurf von Italiens Innenminister Matteo Salvini an die Seenotretter, sie seien Menschenhändler, sei eine "infame Beschuldigung". Salvini werde sich dafür vor Gericht verantworten müssen.

Mediterranea würde damit dem Beispiel Carola Racketes folgen. Die Kapitänin der Sea-Watch 3 kündigte an, den italienischen Innenminister wegen Verleumdung zu verklagen. Rackete war mit 40 aus Seenot Geretteten an Bord ebenfalls gegen das Verbot der italienischen Regierung in den Hafen von Lampedusa eingefahren. Bis eine italienische Richterin am Dienstag die Festnahme Racketes als ungültig erklärte, stand die 31-Jährige unter Hausarrest. Ihr wird außerdem die Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Vernommen wird Rackete dazu am Dienstag.