In der Debatte um Schweinefleisch an deutschen Kindergärten und Schulen hat sich der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit einem emotionalen Facebook-Post gegen Hetze und Drohungen gewandt. Die Entscheidung zweier Leipziger Kitas, ihre Speisepläne aus Rücksicht auf muslimische Kinder ohne Schweinefleisch zu gestalten, hatte bundesweit heftige Reaktionen hervorgerufen. Anlass für Jungs "Zwischenruf" überschriebenen Beitrag, mit dem er sich aus dem Urlaub meldete, waren zahlreiche "Drohungen, die schriftlich oder ganz unverhohlen persönlich überbracht bei den Kitas eingingen".

Der Bürgermeister schreibt: "Ich bin sprachlos" und zitiert eine kleine Auswahl der Drohungen: "An den Galgen mit dir oder standrechtlich erschießen", "Frau …, sie führen sofort wieder Schweinefleisch ein, bis 30.7. ansonsten wird die Kita abbrennen, wenn auch zum Nachteil der Kinder. Nein, das ist kein Scherz. Und wenn sie auch die Polizei einschalten, sie wird brennen. Und sie werde ich zusammenschlagen, bis dass sie im Krankenhaus liegen und berufsunfähig sind!!! Also los oder Feuer!", "Ich werde sie nicht nur krankenhausreif schlagen, ich werde sie töten, mit einem Messerstich ins Herz."

In solchen Äußerungen sieht Jung die Saat rechter Hetze aufgehen: "Vor drei, vier Jahren, als viele Menschen in Not zu uns kamen, wurden überall in Deutschland Menschen angegriffen und Häuser angezündet. Wir haben es nicht geschafft, alle Unterkünfte zu schützen und durch unsere Gesellschaft ist kein Ruck der moralischen Entrüstung gegangen, sondern die Gaulands, Weidels und Höckes dreschen verbal weiter auf Schwächere ein." Eine klare Kritik an der AfD, die der Bürgermeister mit für einen gefährlichen gesellschaftlichen Wandel verantwortlich macht.

"Nicht wegschauen, nicht wegschweigen, nicht wegducken"

Für Jung, der Präsident des Deutschen Städtetages ist, stellt das eine Entwicklung dar, die ihm Sorgen bereitet: Der "Untergang des Abendlandes und Gefahr für unsere aufgeklärte Freiheit geht nicht von denen aus, die aus welchen Gründen auch immer eine andere Ernährungskultur haben, als es am tradierten deutschen Stammtisch üblich ist", schreibt er, "sondern von denen, denen jeglicher moralische Kompass und der Anstand verloren gegangen ist."

Man dürfe deshalb "nicht wegschauen, nicht wegschweigen, uns nicht wegducken: Die Freiheit, die Gleichheit und die Empathie sind auch in unserem Land in Gefahr. Was hier passiert ist und geschieht, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird, wenn bei den kommenden Wahlen die an die Macht kommen, die mit ihren Worten der Hetze heute schon die Saat gelegt haben." In Sachsen ist im September Landtagswahl, bei der die AfD sogar stärkste Partei werden könnte. Jung beendet seinen Beitrag mit dem Aufruf: "Seid wachsam!"