Sea Eye - Flüchtlinge dürfen “Alan Kurdi” in Malta verlassen Das Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi” der Organisation Sea Eye hat Malta erreicht. Dort dürfen die Geflüchteten an Land und werden auf andere EU-Staaten verteilt. © Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Die Regierung Maltas ist dem deutschen Rettungsschiff Alan Kurdi zuvor ausgesprochenen Anlegeverbots zur Hilfe gekommen. Ein Boot der maltesischen Marine nahm die 65 Geretteten am Sonntagabend an Bord und brachte sie an Land. Drei Migranten, die dringend ärztliche Hilfe brauchten, wurden demnach schon zuvor per Lufttransport geholt. Von Malta aus sollen die Flüchtlinge umgehend auf andere EU-Staaten verteilt werden, wie Maltas Premierminister Joseph Muscat in Valletta mitteilte. Die Alan Kurdi der Hilfsorganisation Sea-Eye hatte am Samstagabend Kurs auf Malta genommen, da ihr auf der italienischen Insel Lampedusa das Anlegen untersagt worden war.

Das Schiff hatte am Freitag 65 Menschen von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet und lag seitdem in internationalen Gewässern vor Lampedusa. Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt Sawija als "sicheren Zufluchtsort" anzulaufen, lehnte das Rettungsschiff ab. Am Samstagmorgen teilte Sea-Eye mit, die italienische Finanzpolizei sei "persönlich vorbeigekommen", um ein Dekret des rechtspopulistischen Innenministers Matteo Salvini von der Partei Lega zu überbringen: "Der Hafen ist zu."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Regierungskreisen zufolge an seinen italienischen Amtskollegen Matteo Salvini appelliert, die Häfen zu öffnen. Am Sonntagabend sagte er, im Geiste der europäischen Solidarität habe Deutschland angeboten, 15 bis 20 der Geflüchteten von der Alan Kurdi und bis zu 20 weitere aufzunehmen. Er fordertem einen "tragfähigen und funktionierenden Mechanismus" für die Verteilung von Flüchtlingen. "Daran müssen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten mit Hochdruck arbeiten." 

Am Samstagabend hatte sich schon das Segelschiff Alex der Organisation Mediterranea über ein Verbot Salvinis hinweggesetzt und im Hafen von Lampedusa angelegt. Dort warteten Polizisten auf das Schiff. Zuvor hatte die Organisation den Notstand auf dem Boot ausgerufen. Die hygienischen Bedingungen an Bord seien nicht länger tragbar, teilte Mediterranea nach zwei Tagen Wartens vor der Küste mit.  An Bord waren nach Angaben der NGO 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen. 

Vergangene Woche hatte die Sea-Watch 3 der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch trotz des Verbots der Regierung in Rom Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord im Hafen Lampedusas angelegt. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete war daraufhin festgenommen und erst am Dienstag wieder freigelassen worden. Rackete wird unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen.