Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch will die gesammelten Spenden für die in Italien zwischenzeitlich festgenommene Kapitänin Carola Rackete mit anderen Seenotrettern gemeinsam nutzen. "Es wird ein Gremium gebildet, weil wir das Geld möglichst effektiv für die Seenotrettung einsetzen wollen, nicht nur für Sea-Watch, sondern wir wollen gemeinsam schauen, wo es am dringendsten gebraucht wird", sagte der Sprecher der Organisation, Ruben Neugebauer.

Nach der Festnahme hatte Rackete viel Solidarität erfahren. Bei Spendenaktionen zugunsten von Sea-Watch und Rackete waren mehr als 1,4 Millionen Euro zusammengekommen. Ein Großteil davon kam durch einen Spendenaufruf der TV-Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zustande. Dieser brachte bis heute mehr als 969.000 Euro. Eine in Italien gestartete Sammelaktion führte bis Anfang Juli zu Spenden in Höhe von mehr als 410.000 Euro.

Laut Neugebauer sollen dem für die Verteilung der Gelder zuständigen Gremium unter anderem Vertreter von Hilfsorganisationen und vom Netzwerk Seebrücke angehören. Das Netzwerk setzt sich ebenfalls für die Rettung von Migrantinnen und Migranten auf dem Mittelmeer ein. Ein Teil des gesammelten Geldes soll aber auch für die Verfahrenskosten von Rackete verwendet werden.

Zugleich teilte der Sea-Watch-Sprecher mit, dass Rackete wohl vor ihrer nächsten Anhörung bei der Staatsanwaltschaft am 18. Juli nicht nach Deutschland zurückkehren möchte. Ob die 31-Jährige die ganze Zeit in Italien bleiben wird, wollte die NGO allerdings nicht mitteilen. Rackete hält sich derzeit an einem geheimen Ort auf.

Die Anhörung, bei der es um den Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration geht, war eigentlich für diesen Dienstag in der sizilianischen Stadt Agrigent geplant, wurde aber wegen eines Streiks der Strafverteidiger verschoben. Das hatte Racketes Anwalt mitgeteilt. In einem parallelen Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Kapitänin wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und ein Kriegsschiff.

Italienische Regierung will Strafen drastisch erhöhen

Rackete, die bei Kiel geboren wurde und im niedersächsischen Hambühren aufgewachsen ist, war mit Migranten an Bord ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren und anschließend festgenommen worden. Dienstag vergangener Woche war der Hausarrest gegen sie aufgehoben worden.

Unterdessen wird in Italien über höhere Strafen für unerlaubt in nationale Gewässer einfahrende Schiffe diskutiert. Am Dienstag brachte die regierende, extrem rechte Lega einen entsprechenden Änderungsantrag ins Parlament ein, der Strafen zwischen 150.000 und einer Million Euro vorsieht. Bereits Montag hatte der Koalitionspartner der Lega, die Fünf-Sterne-Bewegung, eine Änderung beantragt, nach der Schiffe schon beim ersten Verstoß – und nicht erst im Wiederholungsfall – beschlagnahmt werden können.

Dem aktuellen, am 11. Juni verabschiedeten Dekret zufolge werden Geldstrafen zwischen 10.000 und 50.000 Euro fällig. Erstmals betroffen von dieser Regelung war unter anderem das deutsche Rettungsschiff Sea-Watch 3.