Das Seenotrettungsschiff Alan Kurdi der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye hat 40 Migrantinnen und Migranten im Mittelmeer vor Libyen aufgenommen. Demnach wurden die Menschen aus einem überfüllten Schlauchboot gerettet. Laut der Hilfsorganisation sind auch eine Schwangere, drei Kleinkinder und ein Mann mit einer Schusswunde am Oberarm dabei. Die 40 Geretteten stammen demnach aus Nigeria, Mali, dem Kongo, Ghana, Liberia und der Elfenbeinküste.

"Die Menschen sind glücklich, aber völlig erschöpft", erklärte Einsatzleiterin Barbara Held nach Angaben von Sea-Eye. Laut Aussage der Bootsinsassen sollen sie in der Nacht zu Mittwoch aus der libyschen Stadt Tadschura östlich von Tripolis abgefahren sein. Zwei der Geretteten hätten erzählt, den Luftangriff auf ein Internierungslager in Tadschura erlebt zu haben. Anfang Juli kamen dabei mehr als 50 Menschen ums Leben. Die Alan Kurdi steuert nun nach eigenen Angaben mit den Geretteten die italienische Insel Lampedusa an, da diese geografisch am nächsten sei und dort der "nächste sichere Hafen" liege.

Doch diese darf sie nicht anlaufen, da der italienische Innenminister Matteo Salvini ihr laut italienischen Medienberichten ein Einfahrts- und Durchfahrtsverbot für italienische Gewässer erteilt hat. Salvini hatte die Unterzeichnung des Verbots auf Twitter angekündigt. "Sie sind eine deutsche Nichtregierungsorganisation und wissen, wohin sie fahren können, aber nicht nach Italien. Punkt", schrieb Salvini. Er warf den privaten Seenotrettern eine "fortlaufende Provokation" vor. Salvini ist für seinen rigorosen Antimigrationskurs bekannt. Er wird dafür international kritisiert, bekommt aber in Italien auch große Zustimmung.

In Italien drohen Seenotrettern Strafen, wenn sie unerlaubt in italienische Gewässer einfahren. So wurde die deutsche Kapitänin Carola Rackete festgenommen, nachdem ihr Schiff Sea-Watch 3 unerlaubt mit 40 Menschen an Bord in den Hafen von Lampedusa eingelaufen war.

Streit um Verteilung von Migranten

In den vergangenen Monaten ist es quasi zur Regel geworden, dass gerettete Geflüchtete erst in Italien an Land gehen dürfen, wenn sich andere Länder nach teils langwierigen Verhandlungen zu ihrer Aufnahme bereit erklären. Eine langfristige Lösung für die Verteilung von Bootsflüchtlingen ist nicht in Sicht. Der jüngste Vorfall mache wieder einmal klar, dass eine nachhaltige Regelung dringend notwendig sei, sagte ein Sprecher der EU-Kommission.

So durften zuletzt auch von der italienischen Küstenwache gerettete Migranten, das Schiff nicht ohne Weiteres verlassen, um das Festland zu betreten. Die Regierung in Rom verlangte eine europäische Lösung für die geretteten 135 Menschen. Vorab durften nur Minderjährige und eine Schwangere mit ihrer Familie an Land gehen. Deutschland, Portugal, Luxemburg, Frankreich und Irland erklärten sich schließlich bereit, sich an der Aufnahme zu beteiligen.

Anfang September soll es erneut ein europäisches Treffen zur Seenotrettung in Malta geben. Daran sollen Vertreter Deutschlands, Frankreichs und weiterer Staaten teilnehmen, die zur Aufnahme von Geretteten bereit sind – und Vertreter aus Italien.