Paris verleiht den Kapitäninnen Carola Rackete und Pia Klemp die höchste Verdienstmedaille der Stadt. Mit der Auszeichnung sollen die Solidarität und das Engagement für die Achtung der Menschenrechte gewürdigt werden, teilte das Rathaus mit. Neben der Verleihung der Médaille Grand Vermeil de la Ville de Paris an Rackete und Klemp soll die französische Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée 100.000 Euro Soforthilfe für eine neue Rettungsmission erhalten.

Rackete hatte für die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch ein Schiff mit mehreren Migranten ohne Genehmigung nach Italien gefahren. Klemp war als Kapitänin der Organisation Jugend Rettet im Sommer 2017 bekannt geworden, als das Schiff Iuventa in Italien beschlagnahmt wurde. Beiden wird Beihilfe zu illegaler Einwanderung vorgeworfen. Organisationen wie Sea-Watch oder SOS Méditerranée hielten vor Augen, dass man der Trägheit europäischer Regierungen begegnen müsse, erklärte das Rathaus. Rackete und Klemp stünden für diesen Kampf.

Die Medaille wird seit 1911 von der französischen Hauptstadt in verschieden hohen Kategorien vergeben. Zu den Trägerinnen und Trägern gehören unter anderem der schwedische Fußballer Zlatan Ibrahimović, US-Schauspielerin Jane Fonda sowie der türkische Journalist Can Dündar.

Rackete verklagt Salvini

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini spottete über den Preis an Rackete. Die Stadt Paris habe wohl nichts Besseres zu tun, als "solche Subjekte" auszuzeichnen. Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hatte zuvor eine Klage angekündigt, mit der sie erreichen will, dass Salvinis Facebook- und Twitter-Konten gesperrt werden. In der Klageschrift, die bei der Staatsanwaltschaft in Rom eingereicht werden soll, wirft sie ihm vor, Menschen in sozialen Medien zum Hass anzustacheln.

"In den Worten von Matteo Salvini gibt es abgrundtiefe Gefühle von Hass, Verunglimpfung, Delegitimierung bis hin zu leibhaftiger Entmenschlichung", heißt es darin. Eingereicht worden sei die Klage allerdings noch nicht, weil es Probleme mit der Post gegeben habe, sagte Racketes Verteidiger Alessandro Gamberini.