Nach dem gewaltsamen Tod der russischen LGBT-Aktivistin Jelena Grigorjewa in St. Petersburg hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen und die Tat als Folge eines "persönlichen Konflikts" eingestuft. Ein 1981 geborener Mann aus der früheren Sowjetrepublik Kirgistan sei verhaftet worden, teilte das russische Ermittlungskomitee mit. Der Mann sei bereits vorbestraft. Die Leiche der Aktivistin war am Wochenende mit Stichverletzungen in der Nähe ihres Hauses entdeckt worden.

Es gebe den Ermittlern zufolge Beweise, "dass der Mord im Rahmen eines persönlichen Konflikts stattfand". Der Verdächtige habe "im betrunkenen Zustand" Grigorjewa acht Mal mit einem Messer in Gesicht und Rücken verletzt. Überdies sagten die Ermittler, Grigorjewa habe "ein asoziales Leben" geführt und "oft Alkohol getrunken", unter anderem mit ihrem mutmaßlichen Mörder. Weitere Angaben zu den Beweisen wurden nicht veröffentlicht.

Grigorjewa war in St. Petersburg als Aktivistin für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBT) bekannt. Die 41-Jährige nahm regelmäßig an Demonstrationen für LGBT-Rechte teil. Zudem beteiligte sie sich an Protesten für politische Gefangene und gegen die russische Annexion der Krim.

LGBT-Organisation zweifelt an Ermittlung

Die St. Petersburger LGBT-Organisation Wichod äußerte Zweifel an den Ermittlungsergebnissen und forderte die Veröffentlichung der angeblichen Beweise, dass es keine anderen Motive für die Tat gegeben habe. Nach Angaben aus dem Umfeld von Grigorjewa war sie mehrfach wegen ihrer Haltung bedroht worden. Der mit Grigorjewa befreundete Aktivist Dinar Idrisow hatte berichtet, sie sei zuletzt wiederholt "Opfer von Gewalt" gewesen und habe Morddrohungen erhalten, die sie auch der Polizei gemeldet habe. 

Menschenrechtler beklagen immer wieder brutale Übergriffe auf Schwule und Lesben in Russland, die oft folgenlos blieben. Anfeindungen und Angriffe auf Homosexuelle werden regelmäßig gemeldet. Positive Äußerungen über Homosexuelle in Anwesenheit von Kindern stehen unter Strafe. Gegen dieses Gesetz zur "Homo-Propaganda" gibt es seit Langem internationalen Protest. In Russland war Homosexualität bis 1993 verboten. Bis 1999 stand gleichgeschlechtliche Liebe auf der Liste der Geisteskrankheiten.