Die Polizei in Norwegen wertet den Angriff auf eine Moschee in Bærum bei Oslo am Samstagabend als "versuchte terroristische Tat". "Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Täter rechtsextremistische Ansichten hatte", sagte Polizeisprecher Rune Skjold am Sonntag. Der Mann habe sich feindselig gegen Einwanderer geäußert. Außerdem habe er Sympathie für den norwegischen Nazikollaborateur Vidkun Quisling bekundet, der unter der deutschen Besatzung von 1942 bis 1945 die eingesetzte Marionettenregierung führte. 

Der Tatverdächtige, ein gebürtiger Norweger, war am Samstagabend mit zwei Schrotflinten und einer Pistole bewaffnet in die Moschee in Bærum eingedrungen. Dort hielten sich zu dem Zeitpunkt nur drei Gläubige auf. Einer von ihnen konnte den Angreifer überwältigen, bis die Polizei ihn festnahm. Der Tatverdächtigte habe einen Helm, eine kugelsichere Weste und eine Uniform getragen, sagt der Leiter der Al-Noor-Moschee, Irfan Mushtaq. Er habe eine Scheibe eingeschlagen, bevor er um sich geschossen habe. Der Moscheebesucher, der den bewaffneten Mann überwältigt haben soll, habe leichte Verletzungen davongetragen.

Der Täter habe vermutlich allein gehandelt, sagte die Polizei. In seiner Wohnung wurde die Leiche einer Frau gefunden. Dabei handele es sich um die 17-jährige Stiefschwester des Mannes, teilte die Polizei weiter mit. Ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und versuchten Mordes sei eingeleitet.

Laut Medienberichten hatte der Mann sich vor der Tat lobend über den Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch geäußert, bei dem ein Rechtsextremist im März 51 Menschen erschossen und weitere 50 verletzt hatte. Die Polizei kündigte nach dem Angriff an, erhöhte Präsenz vor anderen Moscheen des Landes zu zeigen. Es seien aber keine "konkreten Drohungen" bekannt. Der heutige Sonntag ist für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit der Auftakt zum Opferfest Eid al-Adha, dem wichtigsten Fest im Islam. Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg besuchte am Sonntag Mitglieder der Gemeinde in Bærum. Sie hatten sich zur Feier des Opferfestes Eid al-Adha in einem Hotel versammelt.