Ein in der Türkei kurzzeitig festgehaltener Soldat der Bundeswehr ist inzwischen wieder in Deutschland. Dies berichten der Hessische Rundfunk (HR) als auch die Deutsche Presse-Agentur. Demnach ist der Mann bereits an diesem Freitag wieder angekommen. 

Laut des HR geriet der Soldat mit der türkischen Justiz in Konflikt, weil er in Istanbul ein Selfie-Video aufgenommen hatte. Er habe es auf der großen Istiklal-Einkaufsstraße gedreht, hieß es. Polizisten in Zivil hätten ihn aufgefordert, das Video zu löschen. Der Mann, der als Tourist unterwegs war, habe sich geweigert und sei deshalb zur nächsten Polizeistation mitgenommen worden.

Polizei- oder Militärfahrzeuge auf Video?

Wieso das Video den Polizisten missfiel, blieb zunächst unklar. In der Einkaufsstraße sind in regelmäßigen Abständen schwere Polizei- und mitunter Militärfahrzeuge geparkt. Sie zu filmen, ist verboten.

Über den Fall hatte zuerst die Oberhessische Presse berichtet. Demnach handelt es sich um einen 21 Jahre alten Soldaten von der Division Schnelle Kräfte am Bundeswehrstandort Stadtallendorf in Hessen, der privat nach Istanbul gereist war. Der Mann habe keine türkischen Wurzeln.

Die Bundeswehr wollte sich zu den Hintergründen des Falls nicht äußern. Ein Sprecher hatte lediglich bestätigt, dass der Mann privat unterwegs gewesen sei und vor einigen Tagen in Istanbul festgesetzt worden war. Aus dem Auswärtigen Amt hatte es geheißen, der Fall sei bekannt. Das Generalkonsulat in Istanbul stehe mit dem Betroffenen in Kontakt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur befand sich der Soldat kurz nach seiner Festsetzung wieder auf freiem Fuß. Die Behörden hatten für ihn eine wöchentliche Meldepflicht, aber keine formelle Ausreisesperre angeordnet.

Auswärtiges Amt warnt vor kritischen Onlinebeiträgen

Erst Ende Juli war ein deutscher Staatsbürger in der Türkei festgenommen worden. Medienberichten zufolge wurde der 36-Jährige aus Hessen Ende Juli bei der Einreise in die Türkei festgenommen. Ihm wird laut NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vorgeworfen, über seine Facebook-Seite "Terrorpropaganda" verbreitet zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft.

Das Auswärtige Amt warnt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zur Türkei explizit davor, kritische Beiträge online zu veröffentlichen: "Festnahmen und Strafverfolgungen deutscher Staatsangehöriger erfolgten vielfach in Zusammenhang mit regierungskritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien. Ausreichend ist im Einzelfall das Teilen oder Liken eines fremden Beitrags entsprechenden Inhalts."