Auf der spanischen Insel Gran Canaria hat ein Waldbrand mehr als 9.000 Menschen gezwungen, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen. Das berichtete der Fernsehsender RTVE, ein Mitarbeiter des Einsatzkommandos bestätigte die Meldung. Demnach wurden die Einwohner aus rund 50 Ortschaften südwestlich der Hauptstadt Las Palmas in Sicherheit gebracht.

Seit Samstag steht ein Teil des Waldes im Inselinneren in Flammen. Nach Angaben der Regierung von Gran Canaria breitete sich das Feuer innerhalb von 48 Stunden auf eine Fläche von etwa 60 Quadratkilometern aus.    

Eine "Naturschutztragödie"

Wie der Regionalpräsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, mitteilte, seien rund 1.100 Feuerwehrleute im Einsatz. Mithilfe von 16 Löschflugzeugen werde versucht, die Flammen einzudämmen. An einigen Stellen erreichte das Feuer eine Höhe von bis zu 50 Metern, dort könnten keine Löschflugzeuge eingesetzt werden. Am Dienstag sollen weitere Hubschrauber vom spanischen Festland eintreffen. Es gehe vor allem darum, Menschenleben zu retten, sagte Torres. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich daher darauf, das Feuer in bewohnten Gegenden einzudämmen. Die Umwelt habe bereits Schäden erlitten – der Brand sei eine "Naturschutztragödie".

Von den zuständigen Behörden hieß es: Noch sei der Brand nicht unter Kontrolle. Starker Wind verursache immer neue Flammenherde. Auch die hohen Temperaturen trügen zur Waldbrandgefahr bei: Im Lauf der Woche könnte es auf Gran Canaria bis zu 38 Grad heiß werden. "Heute und morgen werden entscheidend sein", sagte der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas.

Gran Canaria ist für seine Strände und Berge bekannt. Auch der Naturpark Tamadaba gilt als eine der Attraktionen der Vulkaninsel. Das Feuer habe den Park mittlerweile erreicht, teilte Lourdes Hernández von der Umweltorganisation WWF mit. Die Umweltexpertin machte den Klimawandel für die schnelle Ausbreitung des Brandes verantwortlich. "Wir sprechen hier von Bränden, denen man sich nicht nähern kann und die nicht gelöscht werden können", sagte Hernández. Das Feuer bedrohe auch das für seine biologische Vielfalt bekannte Naturschutzgebiet Inagua.

Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt

Insgesamt wohnen rund 850.000 Menschen auf der Insel, die bei Urlaubern – und vor allem bei Deutschen – sehr beliebt ist. Nach Teneriffa ist Gran Canaria die meistbesuchte Insel der Kanaren. Die kanarische Regierung sagte, dass die Touristengebiete nicht von den Auswirkungen des Feuers betroffen seien. Auch der Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt.

Es ist bereits der dritte Brand auf der Ferieninsel binnen zehn Tagen. Erst am vergangenen Dienstag hatte die Feuerwehr einen Waldbrand in derselben Region im Zentrum der Kanaren-Insel unter Kontrolle gebracht. Gleichzeitig hatte der Katastrophenschutz gewarnt, bei starkem Wind und großer Hitze könnten verbleibende Glutnester jederzeit wieder aufflackern und ein neues Feuer auslösen.

Die EU-Kommission stellte über den Copernicus-Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement Satellitenbilder von den betroffenen Gebieten zur Verfügung und bot Spanien weitere Unterstützung an. Sollte zusätzliche Hilfe benötigt werden, stehe die Kommission bereit, sagte eine Sprecherin in Brüssel.