In einer Zentralen Anlaufstelle für Geflüchtete (ZASt) in Sachsen-Anhalt haben Mitarbeiter eines privaten Wachdienstes Flüchtlinge gewalttätig drangsaliert. Die Szene ist in zwei Videos dokumentiert, die augenscheinlich aus einem höheren Gebäude von oben her aufgenommen wurden. Sie zeigen Mitarbeiter in beschrifteten dunklen Uniformjacken, wie sie Wachschützer häufig tragen, die zwei offenbar im Streit befindliche Flüchtlinge voneinander trennen. Wie alt die Videos sind, ist unbekannt, auf YouTube tragen sie das Datum des 14. Aprils. 

Zu sehen ist im Detail, wie ein Mann in schwarzem T-Shirt und einem irokesenähnlichen Haarschnitt hinzustürmt, aus dem Lauf auf die beiden Flüchtlinge mit dem ausgetreckten Fuß eintritt. Einer der kurz darauf hinzugekommenen Jackenträger schiebt einen der Flüchtlinge auf die andere Straßenseite, wo er zu Boden stürzt. Der Mann in dem T-Shirt bringt den anderen mit den Worten "Runter, du Votze" zu Boden, indem er ihm mit dem Knie zwischen die Beine tritt, ihn aufs Pflaster schleudert und Schläge in Richtung seines Gesichtes ausführt. Obwohl Gegenwehr nicht erkennbar ist, drückt der Mann den Flüchtling mit der Hand aufs Gesicht, kniet sich auf seinen Brustkorb und droht ihm mit einem Faustschlag. Insgesamt drei Wachschützer schauen dabei zu. Dann lässt der Mann plötzlich von dem Flüchtling ab. Er steht wieder auf, wird wegbegleitet, aber beim Gehen noch mehrmals von Männern in Uniformjacken zu Boden geworfen.  

Die vier beteiligten Wachleute sind nach Angaben des Innenministers von Sachsen-Anhalt Holger Stahlknecht (CDU) suspendiert. Gegen sie wird ermittelt. Laut Stahlknecht wird eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. "Es gibt Dinge, die gehen überhaupt nicht. Punkt", sagte Stahlknecht. Die Videos müssten nun gesichert, ausgewertet und bewertet werden. Außerdem sei zu prüfen, ob es in der Vergangenheit zu ähnlichen Vorfällen in der Aufnahmestelle gekommen sein könnte.   

Laut Ministerium sind derzeit weniger als 1.000 Asylsuchende in der Erstaufnahmestelle. Pro Schicht seien zehn Wachmänner anwesend – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Die betroffene Sicherheitsfirma ist den Angaben zufolge seit Dezember 2017 dort tätig, nachdem sie sich in einem europaweiten Vergabeverfahren durchgesetzt hatte. Wer die Sequenzen auf YouTube hochgeladen hat, ist bislang unbekannt.