Das Internet ist nicht unbedingt als Hort der Freundlichkeit und des Respekts bekannt, außer man macht es zu einem. Wie zum Beispiel Arek oder Patrysia oder Michał oder Marcel oder Mateusz oder Wiktor: Überwiegend junge Polen und Polinnen, die unter #JestemLGBT (#IchBinLGBT) Banales von sich erzählen. Manche bleiben anonym, andere unterschreiben mit vollem Namen, und fast alle fügen Bilder von sich bei.

Arek: "Ich bin LGTB und will niemanden verändern, ich will glücklich in meinem Land leben."

Patrysia: "Ich bin bisexuell, ich bin genauso ein Mensch wie du, ich liebe genauso wie du, ich füge niemals einem Menschen Leid zu, ich bin katholisch, aber ich würde eine Beziehung mit einer Frau eingehen, ich finde, Gott liebt mich, so wie er mich erschaffen hat, auch wenn ich girl oder boy liebe."

Michał: "Ich arbeite in der Gastronomie und sorge dafür, dass eure Bäuchlein glücklich sind. Ich bin LGBT."

Marcel: "Ich bin LGBT und Fußballer, der für die nächsten fünf Jahre Tore für deine Mannschaft schießen wird. Wirst du mir dann ins Gesicht sagen, dass ich dein Feind bin? Ich habe den Mut, in Polen zu leben, weil das mein Zuhause ist. Ich bin keine Ideologie, ich will nur lieben und nicht jeden Tag Angst haben müssen."

Mateusz: "Hey, ich bin LGBT und ich werde eure Städte planen, damit ihr und eure Familien besser leben könnt."

Mona: "Hey! Ich bin auch LGBT. Ich bin das Mädchen, das dir immer Kugelschreiber geliehen und dir in Mathe geholfen hat, einen Monat vor dem Abitur. Ich war es, die dich vor einer Woche im Laden bedient hat, und mich hast du im Bus Sudoku lösen sehen. Du kannst mich in der Bar, auf der Straße und im Geschäft treffen!"

Wiktor: "Ich bin LGBT und ein gewöhnlicher, grauer, erkahlender Ingenieur im Laboratorium, Chemiker. Und mir geht es gut damit."

#JestemLGBT erfand ein Mann, der sich bei Twitter @tmrz_ nennt. "Das sollte keine Provokation oder Trolling sein, sondern eine Antwort auf den in sozialen Medien verbreiteten Hass gegen mich und meine Bekannten, die sich offen zu ihrer Orientierung bekennen", schreibt er. Also rief er dazu auf, dem Gesichter und Biografien entgegenzusetzen; zu zeigen, dass LGBT-Menschen Nachbarn, Kollegen, Mediziner, Bauarbeiter, Kellner, Studierende sind.