Die deutschen Haftanstalten müssen nach Einschätzung des Bielefelder Konfliktforschers Andreas Zick stärkere Vorkehrungen gegen radikalisierte Islamisten treffen. Angesichts der zu erwartenden Rückkehrer aus dschihadistischen Kampfgebieten sei Deutschland nicht hinreichend vorbereitet, sagte er bei einem Expertenaustausch in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf.

Derzeit könne niemand einschätzen, wie mit den posttraumatischen Störungen umzugehen sei, die Rückkehrer nach ihren Gewalterfahrungen mitbrächten. Die Wissenschaft brauche mehr Mittel, um zu erforschen, wie Radikalisierung sich hinter Gittern verstärke und wirksam zu bekämpfen sei, mahnte der Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

Nordrhein-Westfalen, in dem die meisten der 11.000 Salafisten in Deutschland leben, beschäftigt bereits vier Islamwissenschaftler, die den 36 Haftanstalten des Landes beratend zur Seite stehen, weiterhin 26 Imame. Nach Angaben des Islamwissenschaftlers Mustafa Doymus ist jeder fünfte der 16.500 Gefangenen im Land Muslim. 32 Gefangene haben einen radikal-islamistischen Hintergrund.   

Derzeit gibt es nach Angaben des Bundeskriminalamtes in Deutschland 702 islamistische Gefährder. Vor einem Jahr hatte das BKA von 774 islamistischen Gefährdern gesprochen. Sofern Rückkehrern aus Kriegsgebieten die Beteiligung an terroristischen Aktivitäten oder anderen Straftaten nachgewiesen werden kann, müssen sie mit Haft rechnen. Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte, das Risiko verschärfe sich nicht nur durch Rückkehrer aus den syrisch-kurdischen Kampfgebieten, sondern auch durch die wachsende Zahl verurteilter Islamisten in Gefängnissen.

Nach bisherigen Einschätzungen muss sich Deutschland auf einige Hundert Rückkehrer aus Kampfgebieten einstellen, darunter auch Angehörige von IS-Kämpfern. Nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer ist etwa ein Drittel von 1.050 einst in dschihadistische Kriegsgebiete ausgereisten Islamisten inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Über hundert weitere mit Bezug zu Deutschland seien noch in Lagern, sagte Florian Endres von der Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. 

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gibt es eine Reihe von Deradikalisierungsprogrammen, unter anderem in der Zuständigkeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Rückkehrern kann der Staat demnach auf verschiedene Weise begegnen: etwa durch eine polizeiliche Behandlung, wenn der- oder diejenige als sogenannter Gefährder einzustufen ist, oder – etwas niederschwelliger – als sogenannte relevante Person.