Das Personal des Gefängnisses, in dem der Milliardär Jeffrey Epstein mutmaßlich Selbstmord beging, hat offenbar Aufsichtsregeln ignoriert. Aufseher hätten in der Nacht vor seinem Tod alle 30 Minuten in seine Zelle hineinsehen sollen, was nicht geschehen sei. Das berichtete die New York Times unter Berufung auf Ermittlerkreise. Epstein sei zudem allein in der Zelle gewesen, nachdem ein Mithäftling verlegt worden sei. Dem Justizministerium in Washington sei gesagt worden, der 66-Jährige werde sich die Zelle mit einem anderen Häftling teilen und ein Aufseher werde alle halbe Stunde kontrollieren.

Ermittlerkreise hatten verlautet, dass Epstein vor etwas mehr als zwei Wochen als suizidgefährdet eingestuft und deshalb unter besondere Beobachtung gestellt worden sei. Laut der New York Times war Epstein im vergangenen Monat bewusstlos und mit Abdrücken am Hals in seiner Zelle aufgefunden worden. Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines Selbstmordversuches ermittelt.

Zudem wurde bekannt, dass das Personal des Gefängnisses offenbar außerordentlich viele Überstunden gemacht hatte. Das berichtete eine Person, die mit dem Gefängnisbetrieb vertraut war, der Nachrichtenagentur AP. Sie sagte, die Abteilung des Metropolitan Correctional Center für die besondere Unterbringung Gefangener sei am Morgen des mutmaßlichen Selbstmordes mit einem Wärter besetzt gewesen, der den fünften Tag in Folge Überstunden gemacht habe. Auch ein anderer Wärter machte angeordnete Überstunden. Hintergrund seien Personalengpässe gewesen.

Mitglied der High Society

US-Justizminister William Barr leitete neben den Untersuchungen der Bundespolizei auch interne Ermittlungen im Ministerium in die Wege. Epsteins Tod werfe "ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen", sagte er. Epstein war am Samstagmorgen tot in seiner Zelle gefunden worden.

Dem US-Milliardär wurde sexueller Missbrauch und Anstiftung zur Prostitution bei zahlreichen minderjährigen Mädchen zwischen 2002 und 2005 vorgeworfen. Er soll ihnen große Summen bezahlt und einige zudem dazu gebracht haben, weitere Jugendliche anzuwerben. In einem ersten Verfahren bei ähnlicher Anklage war Epstein 2008 einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und so einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen. Er bekannte sich schuldig und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. Zugestimmt hatte dieser Regelung der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta. Nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein trat Acosta im Juli von seinem Amt als US-Arbeitsminister zurück.

Epstein gehörte einst zur High Society in den USA und empfing bei seinen Partys und Festen prominente und hochgestellte Persönlichkeiten – etwa den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew. Ermittler wollen nun aufdecken, wer an den Straftaten, die Epsteins vorgeworfen werden, beteiligt war.