Piraten haben vor der Küste Kameruns ein Frachtschiff einer deutschen Reederei überfallen und mehrere Seeleute entführt. Wie das Hamburger Unternehmen MC-Schiffahrt auf seiner Website schreibt, kamen die Piraten in der Nacht zum Donnerstag an Bord der MarMalaita, die in der Millionenstadt Duala vor Anker lag. Sie hätten acht der zwölf Besatzungsmitglieder mitgenommen.

Drei der Entführten sind Russen, wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Ob Deutsche unter den Opfern sind, ist unklar.

Die Reederei schrieb weiter, sie habe ein Krisenteam zusammengestellt und tue ihr Möglichstes, um den Fall in Zusammenarbeit mit den Behörden zu lösen. "Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Familien, und wir werden alles unternehmen, um sie zu unterstützen, bis ihre Seeleute sicher wieder heimkommen." Laut der Reederei fährt das gut 140 Meter lange Mehrzweckschiff unter der Flagge von Antigua und Barbuda.

Innerhalb weniger Stunden 17 Menschen entführt

Das International Maritime Bureau (IMB) teilte mit, es habe in den vergangenen Tagen Piratenüberfälle auf zwei Schiffe vor der kamerunischen Küste gegeben. Neben dem deutschen Schiff sei auch ein griechisches in den Gewässern vor der kamerunischen Millionenstadt Duala angegriffen worden. Insgesamt seien dabei innerhalb weniger Stunden 17 Menschen entführt worden. Das IMB erfasst Vorfälle und Daten zur Kriminalität auf den Meeren. Es sprach eine Warnung an alle Schiffe an der Küste vor Duala aus.

Kamerunische Behörden bestätigten die Entführung von insgesamt 17 Seeleuten. Nach Angaben aus kamerunischen Marinekreisen handelt es sich dabei mutmaßlich um acht Ukrainer und neun Chinesen. Welche davon auf dem deutschen Schiff unterwegs waren, blieb zunächst unklar.

Aus den Marinekreisen verlautete ferner, die Entführer seien "wahrscheinlich nigerianische Piraten". Kamerunische Einsatzkräfte fahndeten nach den Tätern, hieß es.

Nach IMB-Angaben hat sich der westafrikanische Golf von Guinea in den vergangenen Jahren zum internationalen Brennpunkt von Piratenangriffen entwickelt. Von den insgesamt 75 Seeleuten, die weltweit in der ersten Hälfte dieses Jahres als Geiseln genommen wurden, wurden demnach 62 im Golf von Guinea entführt. Meist gibt es Lösegeldforderungen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts besteht zudem in vielen Regionen Kameruns ein hohes Entführungsrisiko.

Die Reederei MC-Schiffahrt wurde nach eigenen Angaben 1986 in Hamburg gegründet. 33 Mitarbeiter sind demnach in Hamburg beschäftigt, etwa 400 Mitarbeiter fahren zur See.