Die Jugendämter in Deutschland mussten 2018 bei mehr Fällen von möglicher körperlicher oder psychischer Kindesmisshandlung einschreiten. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stieg die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen aus diesem Grund um mehr als 1.200 Fälle auf 6.157. Die Minderjährigen wurden vorübergehend ins Heim oder in eine Pflegefamilie gebracht.

Dies gilt auch für alle übrigen Fälle, mit denen Sozialarbeiter, Pädagogen und Erzieher im vergangenen Jahr befasst waren. Insgesamt mussten sie sich um 52.590 Fälle kümmern – 14 Prozent oder knapp 8.800 weniger als im Vorjahr. Grund ist nach Angaben der Statistiker ein Rückgang der Fälle von unbegleitet eingereisten, minderjährigen Flüchtlingen um 46 Prozent auf rund 10.300.

Kindesmisshandlung erstmals an dritter Stelle

Vorläufige Inobhutnahmen sind Hilfsmaßnahmen der Ämter in akuten Krisensituationen. Sie können dem Bundesamt zufolge auf Bitten des Kinds, bei einer Gefährdung des Kindeswohls, aber auch von den Behörden selbst eingeleitet werden, bis die Probleme gelöst sind. Damit kann eine vorübergehende Unterbringung etwa in einem Heim oder einer Pflegefamilie gemeint sein, dies muss aber nicht der Fall sein.

Am häufigsten schritten Jugendämter wegen Überforderung eines oder beider Elternteile ein, wie das Bundesamt mitteilte. Dies geschah in rund 17.700 Fällen. Die unbegleitete Einreise aus dem Ausland – im Vorjahr noch der häufigste Anlass für eine Schutzmaßnahme – rückte 2018 an die zweite Stelle mit 16 Prozent. Anzeichen für körperliche und/oder psychische Kindesmisshandlung (8,3 Prozent) waren die dritthäufigste Ursache für eine Inobhutnahme, Anzeichen für Vernachlässigung (8,1 Prozent) die vierthäufigste.

Insgesamt waren Jugendliche den Angaben zufolge von Inobhutnahmen in rund 31.200 Fällen betroffen, Kinder in knapp 21.400 Fällen.