Fridays for Future - Greta Thunberg sticht in See Die Umweltaktivistin will auf einer Segelyacht von der englischen Küste bis zur UN nach New York reisen. Zwei Profisegler begleiten die 16-Jährige. © Foto: KIRSTY WIGGLESWORTH/AFP/Getty Images

Wenige Stunden vor Beginn ihrer zweiwöchigen Segelfahrt über den Atlantischen Ozean von Großbritannien nach New York City zur UN-Klimakonferenz rechnet die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg nicht mit einer Vergnügungsreise. "Es ist nicht sehr luxuriös, nicht sehr ausgefallen", sagte sie im britischen Plymouth. "Aber das brauche ich nicht. Ich brauche nur ein Bett und die grundlegenden Sachen."

Die 16-Jährige will im September in New York an dem UN-Gipfel und im Dezember dann in Santioago de Chile an der alljährlichen Weltklimakonferenz teilnehmen. Rund um diese beiden zentralen Termine will sie an Klimaprotesten teilnehmen, Betroffene der Klimakrise sowie andere Aktivisten und Entscheidungsträger treffen. Auch Besuche in Kanada und Mexiko sind vorgesehen. All diese Ziele will sie ohne Flugreisen erreichen und so die dabei entstehenden Treibhausgase einsparen.

"Eine Mischung aus Camping und Segeln"

Stattdessen bekommt sie – zusammen mit ihrem Vater Svante und einem Filmemacher – einen Platz auf der Racing-Yacht von Pierre Casiraghi, dem Enkel des verstorbenen Fürsten Rainier III. von Monaco und seiner Frau Grace Kelly, sowie dem zweiten Segler Boris Herrmann. Dieser beschrieb das Leben auf dem 18 Meter langen Boot Malizia II als eine Mischung aus Camping und Segeln. Eine dünne Matratze und ein Schlafsack seien der einzige Komfort an Bord. "Es ist ein sehr einfaches Leben und der Rest des Tages hängt vom Wind ab", sagte Herrmann der Nachrichtenagentur AP. "Es kann ruhig und glatt und vorangehen, und du kannst ein Buch lesen. Oder es kann sehr rau werden und du hältst dich fest, versuchst die Übelkeit zu bekämpfen und es ist richtig hart."

Dafür ist Thunbergs Reise über den Atlantik CO2-neutral. Die Malizia II ist mit Solarmodulen und Unterwasserturbinen ausgestattet, mit denen die für Navigation und Kommunikation erforderliche Energie erzeugt wird. Zudem befindet sich an Bord ein Sensor, der die CO2-Werte im Meerwasser misst, um die Auswirkungen des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre auf die Ozeane zu ermitteln. Unter Deck bleibt dann noch gerade genug Raum für zwei Rohrkojen.

"Ich denke nicht, dass ich sehr seekrank sein werde"

Der Start der Reise fällt fast genau auf den Jahrestag des Beginns von Thunbergs Protestaktion: Am 20. August 2018 hatte sich die damals 15-Jährige vor den Stockholmer Reichstag gesetzt, um eine ehrgeizigere Klimaschutzpolitik Schwedens sowie ein Einhalten der Pariser Klimaziele einzufordern. Aus der Protestaktion hat sich die internationale Klimaschutzbewegung Fridays for Future entwickelt: Abertausende vor allem junge Menschen protestieren seit Monaten regelmäßig freitags für mehr Klimaschutz, sehr viele davon in Deutschland.

Auch mit ihrem Törn auf der Racing-Yacht will die Aktivistin die Aufmerksamkeit auf Klimawandel und -schutz lenken. Ziel sei, die wissenschaftlichen Informationen des Sensors weiterzugeben, "sodass die Leute wirklich verstehen, was mit dem Klima und der ökologischen Krise passiert". Ihre beiden Skipper Casiraghi und Herrmann hatten zuvor ein Malizia-Projekt ins Leben gerufen, das Kinder über Klimawandel und den Ozean aufklären soll.

Derzeit verzögert sich der Beginn von Thunbrgs Reise. In Plymouth stürmt und regnet es heftig, die Verantwortlichen hoffen auf besseres Wetter am späteren Nachmittag. Die Schwedin rechnet übrigens fest damit, dass ihr an Bord übel werden wird. "Aber ich denke nicht, dass ich sehr seekrank sein werde", sagte Thunberg.