Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat die Staatsanwaltschaft für die beiden Angeklagten lange Haftstrafen und danach Sicherungsverwahrungen gefordert. Bei Andreas V. plädierte die Staatsanwaltschaft für eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, bei Mario S. für zwölf Jahre und sechs Monate. Die Plädoyers wurden vor dem Landgericht Detmold unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen, um die Opfer zu schützen.

Die Staatsanwältinnen Helena Werpup und Jacqueline Kleine-Flaßbeck sagten vor Journalisten, man habe bei den Forderungen die Geständnisse der beiden Angeklagten strafmildernd berücksichtigt. Außerdem seien die Männer nicht vorbestraft. Der Detmolder Prozess soll nun Ende August mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt werden. Ein Urteil könnte dann Anfang September fallen.

Die beiden Männer sollen über viele Jahre hinweg auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Niedersachsen Minderjährige sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Ein psychiatrisches Gutachten kam zu dem Schluss, dass beide voll schuldfähig seien. Der Verteidiger von Andreas V., Johannes Salmen, sagte zum geforderten Strafmaß mitsamt Sicherungsverwahrung für seinen Mandanten: "Wenn ich Staatsanwalt in diesem Verfahren gewesen wäre, hätte ich das auch beantragt." Andreas V. werde viel Zeit haben, über sich und seine Taten nachzudenken.

Nach den Anklägerinnen hielten einem Gerichtssprecher zufolge auch acht der insgesamt 17 Nebenklagevertretern ihre Schlussvorträge. Fünf schlossen sich der Strafmaßforderung der Staatsanwältinnen an, drei forderten höhere Haftstrafen.

Ermittlungspannen und Behördenversagen

Der lange unentdeckt gebliebene Missbrauch einer Vielzahl von Kindern auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen erfuhr auch wegen polizeilicher Ermittlungspannen und Behördenversagens bundesweite Aufmerksamkeit. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde kritisiert.

Wegen Beihilfe und Anstiftung wurde am 17. Juli ein dritter Angeklagter vom Landgericht Detmold zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein.