Im Prozess um den vielfachen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde haben mehrere Opfer über ihre große Angst vor den Angeklagten berichtet. Das Landgericht in Detmold befasst sich wieder mit den Fällen und hat Erklärungen vorgelesen, in denen zwei Kinder die Sorge äußern, dass die Männer aus dem Gefängnis ausbrechen könnten. In den Erklärungen, darunter Schilderungen von Psychologen und Opferbetreuern, ist von Albträumen, schulischen Problemen und völlig verunsicherten Persönlichkeiten die Rede. 

Ein Beamter der Bielefelder Polizei äußerte sich zudem als Zeuge zu den Anfängen der Ermittlungen im Februar. Damals übernahm das Polizeipräsidium Bielefeld nach Pannen bei der Polizei in Lippe. Die Aktenführung der Kollegen sei unzureichend gewesen, alles hätte komplett neu aufgebaut werden müssen, sagte der 58-jährige Beamte. "Die Vernehmung einiger Opfer musste wiederholt werden. Die Befragung zuvor entsprach nicht unseren Standards."

Die beiden deutschen Angeklagten sollen über Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold an der Landesgrenze zu Niedersachsen Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Verantworten müssen sich ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34 Jahre alter Komplize aus Steinheim. Ein Urteil will das Landgericht frühestens im September verkünden.

Zuletzt wurde das Verfahren gegen einen dritten Beteiligten, Andreas V., abgetrennt, weil dieser wegen einer Krankheit nicht vernehmungsfähig war. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat der Angeklagte das Gefängniskrankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Gegen einen 49-Jährigen erging bereits ein Urteil, gegen das aber Revision eingelegt wurde. Heiko V. war wegen Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen und schweren Kindesmissbrauch zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Laut Gericht hatte der Mann aus Stade zwischen 2010 und 2011 in mindestens vier Fällen an Webcamübertragungen beim Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen teilgenommen. Zudem soll er dabei Anweisungen gegeben und sich vor den Augen des Kindes selbst befriedigt haben. Verurteilt wurde V. auch wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos und Videos. Die Ermittler hatten bei ihm rund 31.000 Fotos und 11.000 Videos gefunden. Allerdings hatte er den Campingplatz, wo die Kinder missbraucht wurden, nie betreten.