Nach dem Kentern eines Flüchtlingsboots im Mittelmeer hat die libysche Küstenwache mindestens fünf Menschen tot geborgen. 65 Menschen wurden nach dem Unglück am Dienstag gerettet, wie der Sprecher der Küstenwache, Ajub Gassim, der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Suche nach weiteren Vermissten vor der Küste der Stadt Choms dauere an. Unter den ertrunkenen Menschen seien auch Kinder, berichteten die Vereinten Nationen.

Die unabhängige Gruppe Alarm Phone meldete, bis zu 100 Menschen seien an Bord des untergegangenen Boots gewesen. Die Gruppe setzt sich für Migrantinnen und Migranten ein, die Europa über das Mittelmeer zu erreichen versuchen.

100 Schiffbrüchige warten auf sicheren Hafen

Am Montag hatte die Nichtregierungsorganisation Mission Lifeline etwa 100 Migranten vor der libyschen Küste gerettet. Sie befanden sich laut NGO 31 Meilen vor der Küste auf einem defekten Schlauchboot. Mission Lifeline fordert eine schnelle Lösung für die rund 100 Menschen an Bord der Eleonore. Das Schiff sei nur 20 Meter lang und nicht für so viele Menschen ausgelegt, daher müssten diese schnellstmöglich in einen sicheren Hafen gebracht werden. Kapitän Claus-Peter Reisch bat die Bundesregierung in Berlin um Vermittlung eines sicheren Hafens. "Die Politiker mögen schnell handeln, sonst müssen wir handeln", sagte Sprecher Axel Steier der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Laut einem Medienbericht verweigert Malta der Eleonore die Belieferung mit Trinkwasser und Lebensmitteln. Die Behörden wollten das Schiff anscheinend in eine Notlage bringen und in Kauf nehmen, dass die Menschen an Hunger und Durst sterben, sagte Steier der Zeitung Times of Malta. Auch das Gesuch um einen sicheren Hafen lehnte Malta demnach ab. Der Inselstaat habe nicht die "physischen Kapazitäten", um mehr Menschen aufzunehmen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Behörden.

Wenn es einen Notstand an Bord gebe, werde das Schiff den nächsten sicheren Hafen in Italien oder Malta anfahren, auch wenn sich beide Länder nicht für zuständig hielten, sagte Steier. Bei einer Notsituation habe auch Italiens Innenminister Matteo Salvini "nichts zu melden". Salvini hatte am Vormittag ein Verbot der Einfahrt, Durchfahrt und des Haltens für die Eleonore in italienischen Gewässern unterzeichnet, wie italienische Medien unter Berufung auf das Ministerium berichten.

Die Lage an Bord beschrieb Steier als aktuell ruhig. Die Geretteten seien unterernährt und dehydriert; unter ihnen auch 30 Minderjährige, davon 15 unbegleitete Kinder. Unterdessen berichtete die Crew des Rettungsschiffs Mare Jonio der Organisation Mediterranea über Störsignale, die die Suche nach Schiffbrüchigen erschwerten. Auch Mission Lifeline gab über ihren Sprecher an, GPS-Störungen festgestellt zu haben.

Italien stoppt Flugzeuge von NGOs

Die italienischen Behörden haben am Dienstag zudem zwei Flugzeugen von Hilfsorganisationen Startverbot für ihre Such- und Rettungsflüge über dem Mittelmeer erteilt. Die einmotorigen Maschinen der deutschen Gruppe Sea-Watch und der französischen Pilotes Volontaires seien für Freizeitaktivitäten zugelassen, nicht aber für professionellen Gebrauch, erklärte die Luftfahrtbehörde Enac am Dienstag. Das gelte erst recht für Einsätze auf hoher See. Für Such- und Rettungsaktionen sei eine besondere Genehmigung nötig.

Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer nannte die Entscheidung politisch. Der Flugzeugeinsatz seiner Organisation entspreche italienischen und internationalen Vorschriften. Die Maschinen seien wichtig, denn sie könnten Menschenrechtsverletzungen von Schiffen dokumentieren, die auf Notrufe nicht reagierten. Außerdem könnten sie feststellen, ob Flugzeuge der EU die Position von Schleuserbooten im Mittelmeer an die libyschen Behörden weitergäben, die die Migranten dann zurück nach Afrika brächten. Libyen sei aber kein sicherer Hafen für Migranten, weil ihnen dort Internierung und Folter drohten.

Malta hatte seinen Luftraum schon im vergangenen Jahr für das Sea-Watch-Flugzeug gesperrt. Die Organisation rettet Migranten, die versuchen, mit kaum seetüchtigen Booten über das Mittelmeer nach Europa zu fahren, und dabei in Seenot geraten.