Im Streit um das Flüchtlingsrettungsschiff Open Arms hat die spanische Regierung den italienischen Innenminister Matteo Salvini für seine harte Haltung kritisiert. Dessen Vorgehen sei "eine Schande für die gesamte Menschheit", sagte Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles. Der Vorsitzende der ausländerfeindlichen Lega-Partei verfolge ausschließlich wahltaktische Ziele, sagte Robles in Anspielung auf die von Salvini angestrebten Neuwahlen.

Die Open Arms wartet seit 19 Tagen auf die Einfahrt in einen Hafen, damit die von ihr aus Seenot geretteten Flüchtlinge an Land gehen und dort besser versorgt werden können. Derzeit befindet sich das Schiff der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms vor der italienischen Insel Lampedusa, dessen Hafen die Crew auf Geheiß von Innenminister Salvini nicht ansteuern kann.

Crew: Lage verschlechtert sich "minütlich"

Derzeit befinden sich noch 98 Migrantinnen und Migranten an Bord. Zuletzt durften neun Menschen das Schiff verlassen und auf Lampedusa an Land gehen. Wie die Hilfsorganisation auf Twitter mitteilte, handelt es sich dabei um acht medizinische Notfälle und eine Begleitperson. Zuvor waren bereits 40 Menschen in die Obhut der italienischen Behörden übergeben worden, darunter 24 unbegleitete Minderjährige.

Dabei verschlechtert sich die Lage an Bord laut der Crew minütlich. "Die Situation beginnt der eines libyschen Lagers zu ähneln, allerdings in italienischen Hoheitsgewässern", twitterte der Leiter der Organisation, Oscar Camps. Er teilte zudem ein Video, in dem die italienische Küstenwache angesichts einer offensichtlich von Deck gesprungenen Person eingreift. Die Organisation berichtete später, alle zehn ins Menschen gesprungene Menschen seien gerettet worden. Bereits am Sonntag waren mehrere Menschen von der Open Arms ins Meer gesprungen – wohl in der Hoffnung, Lampedusa schwimmend zu erreichen.

Flüchtlinge sollten besser per Flugzeug nach Spanien

Mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, haben sich bereit erklärt, die Flüchtlinge aufzunehmen. Die spanische Regierung hatte der Besatzung die Einfahrt in einen spanischen Hafen angeboten. Das lehnt die Hilfsorganisation aber angesichts der Lage der Flüchtlinge an Bord, der großen Distanz zu den spanischen Balearen und der Wetterbedingungen ab. Laut der Schiffsbesatzung müssten die Migranten zunächst auf Lampedusa versorgt und dann auf ein geeignetes Schiff gebracht werden.

Proactiva OpenArms plädiert stattdessen für einen Transport per Flugzeug nach Spanien. "So ließe sich alles lösen. Die Menschen könnten sicher und in Würde bis zu dem ihnen zugewiesenen Zielort, der Spanien ist, reisen", sagte Camps dem italienischen Sender Rai und fügte hinzu: "Nach all dem Leid können wir keine Reise von 600 Meilen (3 Tagen) antreten in dem Zustand, in dem wir uns befinden." Man könne für die Sicherheit der Menschen nicht mehr garantieren.