Das Massaker von Dayton, Ohio, bei dem in der Nacht zum Sonntag zehn Menschen starben, ist das dritte innerhalb von nur einer Woche in den USA – nach den Schusswaffenangriffen von El Paso, Texas, mit 20 Toten, und Gilroy, Kalifornien, mit drei Toten. Über die Motive des Schützen von Dayton ist derzeit noch nichts bekannt. Der Täter von El Paso wollte womöglich gezielt Menschen hispanischer Herkunft töten.

Bestätigt sich das, stünde hinter dem Anschlag von El Paso jene Ideologie, die eine angebliche Überlegenheit der Weißen propagiert, die sogenannte White Supremacy. Es wäre kein Einzelfall: Wie die New York Times unter Bezug auf das FBI berichtet, sind seit dem 11. September 2001 mehr US-Bürgerinnen und Bürger durch solche Anschläge gestorben als durch Attentate internationaler Gruppen. 

Doch Angriffe mit Schusswaffen kommen in den USA häufig vor – und nicht immer sind die Motive der Täter rechtsextrem oder rassistisch. Allein in diesem Jahr habe es 250 Vorfälle mit mindestens vier er- oder angeschossenen Personen gegeben, wie die Nichtregierungsorganisation Gun Violence Archive nach dem Angriff von El Paso mitteilte. Das ist mehr als einer pro Tag. Durch die Tat von Ohio ist die Zahl nun noch gestiegen. Über die Motive der Täter oder andere Details der vom Gun Violence Archive erfassten Fälle gab es keine näheren Informationen.   

Andere Quellen kommen allerdings zu deutlich geringeren Zahlen. Sie arbeiten mit einer restriktiven Definition und schließen nur Angriffe an öffentlichen Orten mit ein, die beispielsweise nichts mit Bandenkriminalität zu tun haben.

El Paso - Donald Trump äußert sich zu Schusswaffenangriffen Der US-Präsident hat nach den Attentaten in Texas und Ohio den Angehörigen sein Mitgefühl ausgesprochen. Die Demokraten forderten strengere Waffengesetze. © Foto: Yuri Gripas/Reuters

Schwierige Definition von "Mass Shooting"

Schusswaffenangriffe an öffentlichen Orten mit mehreren Toten – je nach Definition mindestens drei oder vier – werden in den USA Mass Shootings genannt. Ihre Zahl exakt zu bestimmen, ist schwierig. "Es hängt davon ab, wie man zählt", schreibt die Washington Post, die seit Jahren Buch über die Massaker mit Schusswaffen führt.

Die Zeitung selbst hat sich für eine relativ restriktive Definition entschieden. Sie nimmt Fälle in ihre Statistik auf, in denen mindestens vier Menschen durch einen Einzeltäter oder – seltener – durch zwei Schützen erschossen wurden. Raubüberfälle oder Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Gruppen schließt sie ausdrücklich aus, ebenso tödliche Schusswechsel an privaten Orten. So kommt sie auf 164 Vorfälle seit dem 1. August 1966. Fast immer seien Männer die Täter, meist in einem Alter zwischen 20 und 49 Jahren.

Von Columbine bis Thousand Oaks

Unabhängig davon, wo man die definitorischen Grenzen zieht: In den vergangenen 20 Jahren gab es in den USA immer wieder Mass Shootings mit teils Dutzenden Toten. Über viele wurde auch international ausführlich berichtet. Am 20. April 1999 beispielsweise erschossen an der Columbine High School in Littleton im Bundesstaat Colorado zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst töteten. Am 16. April 2007 erschoss ein Student an der Hochschule Virginia Tech in Blacksburg im Bundesstaat Virginia 27 Studenten, fünf Lehrer und danach sich selbst. Am 14. Dezember 2012 erschoss ein 20-jähriger Mann mit schweren psychischen Problemen in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown 20 Kinder und sechs Erwachsene, nachdem er vorher schon seine Mutter getötet hatte. Auch er nahm sich danach das Leben. 

Allein seit vergangenem Sommer, vor El Paso, kam es in den USA zu drei Mass Shootings mit jeweils mehr als zehn Toten: Elf Menschen starben, als am 27. Oktober 2018 ein 46-jähriger Antisemit in der Synagoge "Tree of Life" in Pittsburgh, Pennsylvania, während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby das Feuer auf die Festgesellschaft eröffnete. Am 7. November 2018 kamen in einer Bar in Thousand Oaks, Bundesstaat Kalifornien, zwölf Menschen um, als ein 28-jähriger Afghanistan-Veteran um sich schoss. Am Ende tötete er sich selbst. Und am 31. Mai 2019 erschoss ein städtischer Angestellter in Virginia Beach, Bundesstaat Virginia, in einem Gebäude der Stadtverwaltung zwölf Kollegen. Später wurde er bei einem Feuergefecht mit Polizisten getötet.