Die spanische Regierung hat der Open Arms einen sicheren Hafen auf den Balearen offeriert. "Die spanische Regierung hat der Open Arms angeboten, den nächstliegenden spanischen Hafen anzufahren", teilte die Regierung in Madrid mit. In Frage kommt dafür neben der Insel Menorca das etwas weiter entfernt liegende Mallorca. Die spanische NGO Proactiva Open Arms erklärte, es sei günstiger, die Migranten nach Spanien zu fliegen, als sie mit dem Schiff dorthin zu bringen. Die Organisation hatte ein Angebot vom Sonntag, den andalusischen Hafen Algeciras anzusteuern, abgewiesen. Die Lage an Bord sei zu prekär, um weitere fünf Tage auf See zu verbringen.

Die Open Arms ist seit vergangenem Donnerstag in unmittelbarer Nähe der italienischen Insel Lampedusa, darf wegen der harten Haltung des rechten Innenministers Matteo Salvini die Menschen aber dort nicht an Land bringen. Offiziell verlassen durften das Schiff bislang nur 27 Minderjährige.

"107 erschöpfte Menschen an Bord"

Zunächst hatte die spanische Regierung der NGO Proactiva angeboten, den andalusischen Hafen Algeciras anzusteuern. Dies hatte die Organisation am Sonntag jedoch abgelehnt und dies mit der prekären Lage an Bord begründet. Nach zweieinhalb Wochen auf See war die Situation kurzzeitig eskaliert. Migranten sprangen ins Meer – offenbar um nach Lampedusa zu schwimmen. Helfer brachten sie zurück an Bord. Das spanische Fernsehen zeigte Bilder der resignierten Menschen. Einige hatten Weinkrämpfe und wurden von Psychologen betreut. 

Auch auf das Angebot, zu den balearischen Inseln zu fahren, reagierte der Kapitän des Rettungsschiffes kritisch. Die Lage an Bord sei verzweifelt, man müsse die Menschen im nächstgelegenen Hafen an Land lassen. Italien und Spanien müssten "die notwendigen Mittel" zur Verfügung stellen. "Unser Boot liegt nur 800 Meter vor der Küste von Lampedusa, und jetzt wollen die europäischen Staaten, dass eine kleine NGO wie unsere nach 18 Tagen Wartezeit noch einmal (...) drei Tage auf See verbringt, bei schlechten Wetterbedingungen und mit 107 erschöpften Menschen an Bord", schrieb die Organisation.

Italien will offenbar Begleitschiff stellen

Die Balearen liegen mehr als 1.000 Kilometer von Lampedusa entfernt – 800 Kilometer weniger als das andalusische Algeciras. Medienberichte zufolge möchte Proactiva, dass die Migranten auf ein anderes, schnelleres Schiff umgeladen werden, um die Überfahrt zu meistern. Laut der italienische Zeitung La Repubblica hat Italiens Transportminister Danilo Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung genau dies der Open Arms in Aussicht gestellt: ein italienisches Schiff soll sie zu den Balearen begleiten und ihr die nötige Unterstützung bieten.

Am Donnerstag hatte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte mitgeteilt, sechs EU-Länder seien bereit, die Menschen von der Open Arms aufzunehmen. Französischen Medien zufolge würde Paris 40 Menschen aufnehmen. Über den Umgang mit der Open Arms ist es nicht nur in der italienischen Regierung zu einem Zerwürfnis gekommen. Wie El País weiter berichtet, kritisierte auch das spanische Außenministerium Matteo Salvini. Die Regierung in Madrid drohe der in Rom mit Konsequenzen bis hin zu einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. 

In einer früheren Version der Meldung haben wir den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte der Stadt Den Haag und nicht seinem tatsächlichen Standort Straßburg zugeordnet. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.