Das Rettungsschiff Open Arms mit 160 Migranten an Bord hat das Hilfsangebot Maltas abgelehnt. Mit bereits 121 Geretteten an Bord hatte die Open Arms am Samstagmorgen weitere 39 Menschen in internationalen Gewässern vor Libyen aus Seenot aufgenommen. Das teilte die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms mit. Damit befinden sich 160 Menschen auf dem Schiff, die auf einen sicheren Hafen warten. Die 121 Bootsflüchtlinge harren seit neun Tagen an Bord der Open Arms aus.

Die maltesische Regierung hatte angeboten, die zuletzt geborgenen 39 Personen an Land zu lassen, da diese in der maltesischen Such- und Rettungszone gefunden worden seien. Wie maltesische Medien unter Berufung auf die Regierung meldeten, lehnte die Open Arms dies ab, solange nicht auch die anderen 121 Menschen aufgenommen würden. Die Regierung in Valletta teilte demnach mit, Malta könne nur die eigene Verantwortung tragen, da andere Lösungen nicht in Sicht seien.

Òscar Camps, Chef von Proactiva Open Arms, schrieb auf Twitter, die Zusage Maltas für eine Ausschiffung der zuletzt Geretteten habe "ein ernstes Sicherheitsproblem an Bord" erzeugt. Es gebe eine unerträgliche Angst.

Rettungsorganisationen kritisieren die Haltung Maltas als "unmenschlich"

Die deutsche Rettungsorganisation Sea-Watch warf Malta ein "beschämendes Schauspiel" vor. Die Europäische Union stelle "Willkür über Menschenwürde und das Recht auf einen sicheren Hafen", schrieb der Verein.

Die Initiative Seebrücke nannte die Haltung Maltas "unmenschlich". Es werde "bewusst eine ernsthafte humanitäre Krise" an Bord provoziert, die die Sicherheit des Schiffs, seiner Besatzung und der Geretteten gefährde, sagte Maileen Hintze, Sprecherin der Seebrücke Kiel. Seit einer Woche würden Menschen auf dem Schiff gefangen gehalten, weil die europäischen Staaten sich zum wiederholten Mal nicht über ihre Aufnahme verständigen könnten. "Dieses zynische Spiel auf dem Rücken von Schutz suchenden Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen", so Hintze.

An das Bundesinnenministerium appellierte sie, "sofort" zu erklären, dass die 121 Menschen nach Deutschland kommen können. Hier stünden 86 Kommunen als sichere Häfen bereit, sodass kein Geretteter tage- oder sogar wochenlang auf einem Schiff ausharren müsse. "Schluss mit den politischen Spielen auf Kosten von Menschenleben", forderte die Seebrücke.

Die Open Arms hatte sich die vergangenen Tage nahe der italienischen Insel Lampedusa aufgehalten. Italiens Regierung verweigerte jedoch eine Einfahrt in nationale Hoheitsgewässer. Laut Medienberichten verwies Innenminister Matteo Salvini darauf, die Open Arms hätte in der Zwischenzeit Spanien erreichen können. Weiter hieß es, Italien habe die spanische Regierung unter Pedro Sánchez schriftlich aufgefordert, sich der Open Arms anzunehmen. Zuvor hatten sich die Regionalregierungen von Valencia, Katalonien und Extremadura bereit erklärt, die Migranten aufzunehmen.