Die Betreiber des Rettungsschiffs Ocean Viking haben Italien und Malta offiziell um die Erlaubnis gebeten, die 356 aus dem Mittelmeer geretteten Migrantinnen und Migranten in einem ihrer Häfen von Bord gehen zu lassen. Nach vier Tagen Such- und Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer baten Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée die Behörden um "Unterstützung, einen Ort der Sicherheit zu finden".

Die Flüchtlinge zeigten "Zeichen physischer und psychologischer Gewalt, die sie während ihrer Reise durch Libyen erfahren haben", schreiben die beiden Nichtregierungsorganisationen und schließen eine Rückkehr in das nordafrikanische Land aus. Dort seien die Häfen nicht sicher.

Auch die "Open Arms" bittet um Hilfe

Auch das spanische Rettungsschiff Open Arms mit 151 Migrantinnen und Migranten an Bord wartet seit knapp zwei Wochen auf einen sicheren Hafen. Die Situation an Bord werde "mit jedem Tag schwerer", teilte die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms mit. 

Die NGO forderte die spanische Botschaft in Malta zur Aufnahme der 31 Minderjährigen an Bord auf. "Sie erfüllen die Bedingungen, um als Flüchtlinge anerkannt zu werden", zitierten spanische Medien ein Schreiben von Kapitän Marc Reig an die diplomatische Vertretung.  

Zwar war die maltesische Regierung bereit, zwei Frauen, die eine ärztliche Versorgung benötigen, sowie sechs Familienangehörige an Land zu lassen. Auch Italien hatte einen Patienten aufgenommen – doch alle anderen müssen auf dem Schiff ausharren. 

Die Hilfsorganisation hatte Maltas Entscheidung kritisiert, da diese Spannungen auf dem Schiff ausgelöst habe. Der Gründer von Proactiva Open Arms, Òscar Camps, sprach von einem "ernsthaften Sicherheitsproblem an Bord". Die Geretteten litten unter "unerträglichen" Angstzuständen.  

Spanien weist Vorwürfe von sich

Spaniens Verkehrsminister José Luis Ábalos sagte, der Kapitän habe aber keine rechtliche Befugnis, um Asyl für die Jugendlichen zu beantragen. Die Open Arms habe bisher auch nicht offiziell darum gebeten, einen spanischen Hafen anlaufen zu dürfen, sagte Ábalos. 

Das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi zog derweil aus der Rettungszone vor Libyen ab und befindet sich in Spanien. "Dort werden wir eine kurze Pause einlegen für Wartungsarbeiten und für unseren Crewwechsel", sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. Ende August wollen die Seenotretterinnen und Seenotretter vor die libysche Küste zurückkehren.