Das Rettungsschiff Open Arms darf der italienischen Staatsanwaltschaft zufolge nun doch in Italien anlegen. Nach einer Inspektion des Schiffs durch Ermittler und zwei Ärzte sowie wegen der schwierigen Lage an Bord habe der sizilianische Staatsanwalt Luigi Patronaggio angeordnet, die Migranten auf dem Schiff auf Lampedusa an Land zu bringen, teilte die Behörde mit. Das Schiff solle zudem beschlagnahmt werden.

Etwa einhundert aus Seenot gerettete Migranten harren seit knapp drei Wochen auf der Open Arms aus. Mindestens 15 von ihnen waren am Dienstag über Bord gesprungen, um Lampedusa schwimmend zu erreichen. Sie wurden von der Küstenwache gerettet und auf die Insel gebracht.

Die spanische Regierung hatte bereits angekündigt, ein Marineschiff zur Open Arms schicken zu wollen. Die Audaz werde seit dem Morgen vorbereitet, um die Open Arms von Lampedusa aus bis zum Hafen von Palma de Mallorca zu begleiten, hieß es in einer Mitteilung. Die Regierung halte dies für die "angemessenste Lösung".

Nach Angaben der spanischen Regierung sollte die Audaz an diesem Dienstag um 17 Uhr auslaufen und Lampedusa drei Tage später erreichen. Dort sollten die Menschen von Bord der Open Arms aufgenommen und nach Palma de Mallorca gebracht werden. Nach einer wochenlangen Weigerung Italiens hatte Spanien der Open Arms den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten. Das sind die Inseln Menorca oder Mallorca. Die NGO sah sich jedoch nicht in der Lage, in der angespannten Situation an Bord allein noch tagelang über das Mittelmeer zu fahren. Sie plädierte für einen Transport per Flugzeug. Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, haben angekündigt, die geretteten Flüchtlinge von der Open Arms aufzunehmen.

"Eine Schande für die gesamte Menschheit"

Der Konflikt um die Open Arms hat auch diplomatische Spannungen zwischen Italien und Spanien ausgelöst. Das harte Vorgehen des italienischen Innenministers Matteo Salvini sei "eine Schande für die gesamte Menschheit", sagte Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles. Der Vorsitzende der ausländerfeindlichen Lega-Partei verfolge ausschließlich wahltaktische Ziele, sagte Robles in Anspielung auf die von Salvini angestrebten Neuwahlen.

Der rechtspopulistische Innenminister hatte erst vor Kurzem eine Verschärfung der Strafen für Seenotretter durchgesetzt. Wer unerlaubt in Italiens Gewässer einläuft, riskiert eine Geldstrafe von bis zu einer Million Euro. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) plädieren angesichts der angespannten Lage im Mittelmeer für eine Wiederaufnahme der staatlichen Seenotrettung.