Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einem sozialen Ausschluss von Kindern aus armen Familien. Einer Studie des Verbands zufolge wuchs die Kluft zwischen armen und reichen Familien zwischen den Jahren 2003 und 2013. Die ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte geben demnach lediglich 364 Euro im Monat für ihr Kind aus, die reichsten zehn Prozent dagegen 1.200 Euro. Der durchschnittliche Betrag aller Familien liege bei 600 Euro.

Für die Erhebung wurden Daten des Statistischen Bundesamts für die Jahre 2003, 2008 und 2013 ausgewertet. Darin sind etwa 13,8 Millionen Kinder in 6,8 Millionen Haushalten erfasst. Neuere Daten der repräsentativen Erhebung zu Einnahmen und Ausgaben von Haushalten liegen noch nicht vor.

"Ein gleichberechtigtes Aufwachsen ist für die Kinder in den einkommensarmen Haushalten nicht möglich, Einschränkungen sind vorprogrammiert", schreiben die Autorinnen und Autoren. Damit seien auch die Entwicklungsperspektiven der Kinder beeinträchtigt. Insgesamt 22,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Deutschland gelten der Studie zufolge als arm.

Besonders groß fällt der Unterschied bei möglichen Ausgaben für die soziale Teilhabe aus – also etwa für Ausflüge, Spielzeug, Besuche im Kindertheater oder andere Freizeit- und Kulturaktivitäten. Für solche Ausgaben habe das ärmste Zehntel der Familien nur 44 Euro pro Monat zur Verfügung – dies seien preisbereinigt fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Das reichste Zehntel habe dafür fast sechs Mal so viel übrig – nämlich 257 Euro. Dies seien preisbereinigt knapp 15 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Im Durchschnitt gaben Familien 123 Euro im Monat für solche Teilhabeaktivitäten aus.

Forderung nach mehr Sozialleistungen

Laut der Studie galten bei einem Paar mit einem Kind durchschnittlich 21,5 Prozent aller Konsumausgaben dem Kind. Bei zwei Kindern stieg der Anteil auf 32,7 Prozent, bei drei Kindern auf 41,8 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind galten 35,1 Prozent der Konsumausgaben dem Kind, bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern waren es 45,3 Prozent.

Die Autorinnen und Autoren der Studie forderten mehr Sozialleistungen für Kinder aus armen Familien. Die bisherigen Leistungen seien "im Ergebnis nicht bedarfsdeckend, um Armut und soziale Ausgrenzung zu vermeiden". Manche Leistungen wie etwa der steuerliche Kinderfreibetrag würden die Spaltung noch vertiefen, weil sie Besser- und Spitzenverdiener mehr entlasteten als den Durchschnitt.