In Zukunft können die Nachfahren von Menschen, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt worden sind, leichter einen deutschen Pass bekommen. Das Bundesinnenministerium hat zwei entsprechende Erlasse beschlossen, die ab Freitag gültig sind.

Die neuen Regeln gelten demnach für Nachkommen von NS-Verfolgten, denen bislang unter bestimmten Umständen die Einbürgerung verwehrt worden war – etwa Nachfahren von Menschen, denen vor einer Ausbürgerung durch die Nazis die Flucht gelungen war und die später eine andere Staatsangehörigkeit angenommen haben. Von den Änderungen profitieren sollen Nachkommen, die vor dem 1. Januar 2000 geboren sind. So könnten alle zu diesem Kreis gehörenden Nachfahren – ob in der zweiten, dritten, vierten oder "vereinzelt sogar fünften Generation" – die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, erklärte das Innenministerium.

Um gemäß den neuen Regeln die Staatsbürgerschaft zu beantragen, müssten Betroffene lediglich in einem persönlichen Gespräch in einer Auslandsvertretung Grundkenntnisse der deutschen Sprache und der Lebensverhältnisse in Deutschland nachweisen, hieß es. Eine Unterhaltsfähigkeit müsse nicht gegeben sein. Die Voraussetzungen für eine Einbürgerung seien "auf ein Minimum reduziert" worden. Zudem sei es erlaubt, dass Antragsteller auch andere Staatsangehörigkeiten neben der deutschen behalten. Zuständig für die Anträge ist das Bundesverwaltungsamt, das auch die Wiedereinbürgerung von zwangsausgebürgerten NS-Verfolgten betreut. 

Der Brexit naht, die Antragszahl steigt

Wie viele Personen diese Regeln betreffen, ist unklar. Zuletzt sei aber ein sprunghafter Anstieg von Einbürgerungsanträgen von Nachfahren von NS-Verfolgten verzeichnet worden, teilte das Innenministerium mit. Das liegt wohl auch am geplanten EU-Austritt Großbritanniens: Nach 43 Anträgen im Jahr 2015 waren es 2018 nach Angaben des Ministeriums 1.506 Anträge. 2016 hatte eine Mehrheit der Britinnen und Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt.

Es sei deutlich geworden, dass zahlreiche Einbürgerungsbegehren nicht von den bisherigen Regelungen zu sogenannten Wiedergutmachungseinbürgerungen erfasst waren.