US-Millionär Jeffrey Epstein hat zwei Tage vor seinem Tod ein neues Testament unterzeichnet. Dies teilte eine Anwaltskanzlei, die Epsteins Nachlass verwaltet, mit. Damit bestätigte die Kanzlei einen Bericht der New York Post, die das Schriftstück im Internet veröffentlichte

Demnach wurde das Testament auf den Virgin Islands eingereicht und beziffert Epsteins Vermögen auf rund 578 Millionen US-Dollar, rund 521 Millionen Euro. Der 66-Jährige habe angegeben, Bargeld in Höhe von mehr als 56 Million Dollar und Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar zu besitzen; außerdem sechs Luxusanwesen an Orten wie New York, Paris und Florida sowie Flugzeuge, Autos und Boote im Wert von mehr als 18 Millionen Dollar. Der Marktwert seiner Kunstsammlung müsse noch geschätzt werden, heißt es in dem 21-seitigen Schreiben, das Epstein am 8. August unterschrieben hat.

Epstein und sein "kleines, schwarzes Buch"

Zwei Tage später war Epstein tot in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis gefunden worden. Wie das US-Justizministerium mitteilte, hat er Suizid begangen. Der in elitären Kreisen bestens vernetzte, frühere Hedgefonds-Manager soll jahrelang junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in New York betrieb er zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring. Epsteins Opfer seien vor allem "wirtschaftlich benachteiligte, minderjährige Mädchen" gewesen, sagte Staatsanwaltschaft Geoffrey Berman.

Wie die Zeitung Miami Herald berichtete, führte Epstein ein "kleines schwarzes Buch", in dem am Ende die Namen von mehr als hundert Mädchen standen. Termine mit ihnen wurden übereinstimmenden Angaben zufolge von Anwerberinnen, Haushaltsgehilfen und Epsteins Sekretärin geführt. Sie kümmerten sich auch um die Anreise – oft mit Epsteins Privatjet – und die Bezahlung: üblicherweise 200 bis 300 Dollar pro Besuch. 

Bei einer Verurteilung hätten dem US-Multimillionär bis zu 45 Jahre Haft gedroht. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte. Epstein hatte gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten, darunter zum heutigen Präsidenten Donald Trump, zu Ex-Präsident Bill Clinton und zu Prinz Andrew aus Großbritannien. Opfer sagten aus, Epstein habe auch Freunde und Bekannte mit jungen Frauen versorgt – damit diese Männer ihm etwas "schuldig" seien, dass er sie "in der Tasche" habe.

Welche Rolle spielte Ghislaine Maxwell?

Zuletzt veröffentlichten die Behörden Dokumente mit mehr als 2.000 Seiten, die aus einem abgeschlossenen Prozess gegen Epsteins frühere Freundin Virginia Giuffre stammen, eine seiner Beschuldigerinnen. Die Aufzeichnungen enthalten drastische Schilderungen der Vorwürfe gegen Epstein und ein Transkript seiner Aussage von 2016, in der er mehrmals Antworten auf Fragen ablehnt, um sich nicht selbst zu belasten. Giuffres Anwältin Sigrid McCawley sagte, es sei kein Zufall, dass Epstein 24 Stunden nach dieser Veröffentlichung Selbstmord begangen habe. Sie appellierte an die Behörden, ihre Ermittlungen gegen Epsteins Partner fortzusetzen, die bei Epsteins "schrecklichem Sexhandelskomplott" mitgemacht hätten.

Tatsächlich sicherte Justizminister Barr zu, dass die Ermittlungen zu Epsteins mutmaßlichen Vergehen fortgeführt werden sollen. Mögliche Komplizen sollten ihrer Strafe nicht entgehen. Im Fokus des FBI steht nun vor allem Ghislaine Maxwell, die Tochter des verstorbenen britischen Medientycoons Robert Maxwell. Mehrere Opfer werfen der 57-Jährigen vor, sie habe aktiv junge Mädchen rekrutiert, um Epsteins sexuelles Verlangen zu befriedigen. Zuletzt durchsuchte das FBI das Anwesen des Unternehmers auf dessen Privatinsel Little St. James, die zwischen den Amerikanischen Jungferninseln liegt.

Schadensersatzklagen bleiben womöglich wirkungslos

Die mutmaßlichen Opfer von Epstein und seinen Komplizinnen könnten durch das neue Testament des US-Millionärs abermals das Nachsehen haben. Wie aus dem veröffentlichten Dokument ersichtlich ist, überschrieb Epstein all seine Vermögenswerte einem Treuhandfonds namens The 1953 Trust – bezugnehmend auf sein Geburtsjahr und ohne Begünstigte zu nennen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg News könnte der Schritt es mutmaßlichen Missbrauchsopfern so erschweren, Schadenersatz einzuklagen.

Derweil kündigte das US-Justizministerium weitere personelle Konsequenzen an. So übernimmt Kathleen Hawk Sawyer die Behörde für die Verwaltung der Bundesgefängnisse und löst Hugh Hurwitz als bisherigen Behördenleiter ab. Vergangene Woche hatte das Justizministerium bereits den Direktor des New Yorker Gefängnisses für die Dauer der Ermittlungen versetzt und zwei Wärter suspendiert. Sie sollen die Vorgaben für die Überwachung des Gefangenen nicht korrekt durchgeführt haben.