Der im hessischen Wächtersbach angeschossene Eritreer hat sich vor der Tat laut eigenem Bekunden in Deutschland sicher gefühlt. Bilal M. sagte dem Spiegel, seit dem Angriff eines Rechtsextremisten könne er nicht mehr schlafen. "Auch ohne die Schmerzen wären die Gedanken da", sagte er.

Aus diesem Grund und aus Furcht vor Nachahmern überlegten er und seine Frau auch, aus Wächtersbach wegzuziehen. In seinem Leben habe M. schon öfter Alltagsrassismus erlebt. "Wir sind beschimpft worden, ja, oder jemand zeigt einem mal den Stinkefinger, aber dann denkt man: Die sind bestimmt besoffen", sagte er. Das sei normal.

M. schilderte dem Spiegel auch den Tathergang aus seiner Sicht. Am Tattag habe er von seinem Ausbildungszentrum nach Hause gehen wollen, als etwa hundert Meter vor ihm ein Auto angehalten habe. Als er den Wagen passiert habe, habe es geknallt. "Ich dachte, da ist irgendwo ein Autoreifen geplatzt", sagte M., auf den insgesamt sechsmal geschossen wurde.

Eine Kugel streifte den 26-Jährigen am Kopf, eine andere traf ihn in den Bauch. M. sagte, er sei weggelaufen und habe vergebens versucht, Autos zu stoppen. Auf einem Firmengelände seien Menschen auf ihn aufmerksam geworden und hätten den Notarzt gerufen.

M. war am 22. Juli aus einem Auto heraus angeschossen und schwer verletzt worden. Anschließend floh der mutmaßliche Täter, ein 55-jähriger Deutscher, und erschoss sich selbst. Die Ermittler gehen von einem fremdenfeindlichen Tatmotiv aus. M. konnte durch eine Notoperation gerettet werden.