Was ist geschehen?

In der Grenzstadt El Paso im US-Bundesstaat Texas eröffnete am Samstagvormittag ein 21-jähriger Mann das Feuer auf Besucherinnen und Besucher eines Walmart in der Nähe der Cielo Vista Mall. Er tötete 20 Menschen, 26 wurden verletzt. Der Täter ließ sich widerstandslos von der Polizei festnehmen.

In Dayton im Bundesstaat Ohio erschoss ein Mann in der Nacht zum Sonntag mit einer Langwaffe neun Menschen im Oregon District, dem Ausgehviertel der Stadt. Schätzungsweise 26 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt. Das rasche Eintreffen der Polizei habe "Schlimmeres" verhindert, teilten die Behörden mit. Der Täter wurde von den Einsatzkräften erschossen.

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Was wissen wir über die Opfer?

Der Anschlag von El Paso ist der schwerste auf die lateinamerikanische Community in den USA. Sechs der Getöteten und sieben der Verletzten sind mexikanische Staatsangehörige, bestätigte die mexikanische Regierung. In der Grenzstadt leben viele Mexikaner, viele kreuzen täglich die Grenze, um in den USA zu arbeiten oder einzukaufen. Gerade an den Wochenenden ist El Paso ein beliebtes Einkaufsziel.

Über die Opfer des Angriffs von Dayton ist bisher nur wenig bekannt. Sechs der neun Getöteten sind Afroamerikaner. Laut Polizeiangaben soll der Täter jedoch wahllos vorgegangen sein, der Angriff sei innerhalb sehr kurzer Zeit passiert. Unter den Toten ist seine 22-jährige Schwester, die das jüngste Opfer des Angriffs war.

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Was ist über die Täter bekannt?

Bei dem Todesschützen von El Paso handelt es sich um einen 21-jährigen Weißen namens Patrick C. Medienberichten zufolge kommt er aus der rund 930 Kilometer entfernten Stadt Allan nördlich von Dallas. Noch unbestätigt ist, ob ein rassistischer Text, der kurz vor der Tat im Internet veröffentlicht worden ist, vom Täter stammt. Das von der Polizei als "Manifest" bezeichnete vierseitige Dokument trägt den Titel The Inconvenient Truth (Die unbequeme Wahrheit). Der Verfasser spricht darin von einer "hispanic invasion of Texas" (Invasion von Texas durch Menschen aus Lateinamerika). Außerdem bekundet er Solidarität mit dem Attentäter von Christchurch, der am 15. März 2019 zwei Moscheen gestürmt und 51 Gläubige getötet hatte. Einem Bericht der New York Times zufolge wurde der Text in dem Forum veröffentlicht, in dem auch der neuseeländische Attentäter seine Tat angekündigt hatte. Recherchen der New York Times zufolge war das Pamphlet am Samstag um 10.20 Uhr veröffentlicht worden, 19 Minuten, bevor der erste Hilferuf bei der Polizei einging. Greg Allen, Polizeichef von El Paso, sagte, er gehe zunehmend davon aus, dass der Attentäter Urheber des Pamphlets ist. Demzufolge werde im Text ein konkreter Angriff erwähnt, der eine Reaktion auf die "hispanic invasion" sei.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte bei einer Pressekonferenz verkündet, die Strafverfolgung werde sich nicht nur auf den Vorwurf des Mordes, sondern auch auf den eines Hassverbrechens konzentrieren. Darunter versteht man in den USA eine Tat, die sich gegen Menschen einer bestimmten Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung richtet. Die US-Justizbehörde gab bekannt, den Angriff als "Terrorakt" zu betrachten. Die juristische Definition von inländischem Terrorismus treffe zu. In der Nacht zu Montag wurde der mutmaßliche Täter formell des Mordes beschuldigt. Damit drohe dem 21-Jährigen die Todesstrafe, wie Polizeisprecher Robert Gomez mitteilte.

Über den Täter von Dayton und dessen mögliche Motive ist bisher wenig bekannt. Nach ersten Erkenntnissen heißt der von der Polizei erschossene Angreifer Connor B. und ist 24 Jahre alt. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf Ermittler, der Schütze habe eine Schutzweste getragen. Auch Daytons Bürgermeisterin Nan Whaley sagte, der Täter habe Schutzkleidung getragen und mehrere Hochleistungsmagazine zum Nachladen bei sich gehabt. Hätte eine Polizeistreife den Täter nicht innerhalb von einer Minute nach Beginn des Angriffs erschossen, wären womöglich Hunderte Menschen ums Leben gekommen, sagte Whaley.

El Paso - Donald Trump äußert sich zu Schusswaffenangriffen Der US-Präsident hat nach den Attentaten in Texas und Ohio den Angehörigen sein Mitgefühl ausgesprochen. Die Demokraten forderten strengere Waffengesetze. © Foto: Yuri Gripas/Reuters

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Wie sind die Reaktionen auf die Taten?

Kurz nach dem Massaker in El Paso zogen mehrere Hundert Demonstrantinnen vor das Weiße Haus und das Kapitol in Washington D.C., um für eine Verschärfung des Waffenrechts zu plädieren. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber und Ex-Vizepräsident Joe Biden griff den einflussreichen Waffenverband NRA an: "Das geht über alles hinaus, was wir tolerieren sollten. Wir können die NRA besiegen." Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar sagte, der Verband habe "vernünftige Gesetze, die Todesfälle und Tötungen verhindert hätten", aufgehalten. Auch die katholischen Bischöfe in den USA sprachen sich erneut für strengere Waffengesetze aus. "Die Dinge müssen sich ändern", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme des US-Bischofskonferenzvorsitzenden Kardinal Daniel DiNardo und des Ausschussvorsitzenden für soziale Gerechtigkeit, Bischof Frank Dewane. 

US-Präsident Donald Trump wurde nach dem Anschlag von El Paso direkt kritisiert. Seine verbalen Angriffe auf Migranten aus Lateinamerika hätten ein Klima des Hasses geschaffen, wurde ihm in den sozialen Netzwerken vorgeworfen. Trump hatte Mexikaner wiederholt als "Vergewaltiger und Kriminelle" bezeichnet. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, machte den US-Präsidenten für die Tat mitverantwortlich. "Er ist ein Rassist, und er schürt den Rassismus in diesem Land", sagte O'Rourke nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus in El Paso.

Auch aus Mexiko gab es Reaktionen, die zwischen den Zeilen Kritik an Trump üben. Jesús Seade, stellvertretender Außenminister Mexikos, twitterte auf Englisch: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt." Sie entstünden jedoch nicht in einem Vakuum, sondern würden durch entsprechende Rhetorik angestachelt. Diese müsse komplett eingestellt werden.

Außenminister Marcelo Ebrard teilte am Sonntag mit, dass Mexiko ein Auslieferungsgesuch gegen den mutmaßlichen Schützen erwäge. "Wir werten diese Tat als einen Terroranschlag auf die mexikanisch-amerikanische Gemeinde und die mexikanischen Landsleute in den Vereinigten Staaten", sagte Ebrard. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft prüfe, ob sie Anzeige wegen Terrorismus gegen Mexikaner in den USA erstatte, sagte Ebrard weiter. Dadurch würden die mexikanischen Strafverfolgungsbehörden Zugang zu den Ermittlungen in den USA erhalten. Zudem werde die Regierung rechtliche Schritte gegen denjenigen einleiten, der dem mutmaßlichen Täter die Tatwaffe verkauft hat, kündigte der Außenminister an.

"Wir beklagen diese Taten und bekräftigen unsere Überzeugung, dass soziale Probleme nicht durch Gewaltanwendung und Schüren von Hass gelöst werden können", sagte Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador.

Präsident Donald Trump sprach den Betroffenen am Sonntagnachmittag sein Mitgefühl aus. Er wolle den Menschen in El Paso und Dayton kondolieren, sagte er vor Journalisten in Morristown im Bundesstaat New Jersey. "Hass hat keinen Platz in unserem Land, und wir werden uns darum kümmern", fügte er hinzu. Er habe bereits mit dem Justizminister, dem FBI-Chef und Kongressabgeordneten darüber gesprochen, wie man solche Gewalttaten verhindern könne. Für Montag hat er eine weitere Stellungnahme angekündigt.

Vielleicht müsse mehr geschehen, antwortete Trump auf die Frage, ob er etwas gegen die Waffenprobleme im Land tun werde. Zuvor merkte er an, dass seine Regierung bereits viel getan habe. Er sagte weiter: Bei Taten wie denen vom Wochenende gehe es auch um ein Problem psychischer Erkrankungen. "Das sind Menschen, die sehr, sehr ernsthaft psychisch krank sind", sagte er.

Der Konzern Walmart zeigte sich schockiert über die Geschehnisse. Man bete für die Opfer, hieß es in einem Tweet des Unternehmens. Bereits am 30. Juli hatte es eine tödliche Schießerei in einer Walmart-Filiale gegeben: In Southaven im Bundesstaat Mississippi hatte ein entlassener Mitarbeiter zwei Angestellte getötet und einen Polizisten verletzt. Dass Walmart zum Tatort von Verbrechen mit Schusswaffen geworden ist, könnte in der Debatte über das Waffenrecht Symbolcharakter bekommen, schreibt die Washington Post. Der Konzern ist einer der größten Waffenhändler weltweit. Im vergangenen Jahr hatte er unter Berufung auf die "jüngsten Vorfälle" das Mindestalter für Käufer von 18 auf 21 Jahre erhöht – damit bezog sich Walmart offensichtlich auf das Schulmassaker in Parkland, bei dem ein 19-Jähriger 17 Menschen erschoss.

Mit Material von AP, AFP, Reuters und dpa

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