Tirana - Viele Verletzte nach Erdbeben in Albanien Das Beben hatte eine Stärke von 5,6. Mauerteile fielen von Gebäuden. © Foto: Gent Shkullaku/Getty Images

In Albanien haben sich am Samstagnachmittag mehrere schwere Erdbeben ereignet. Menschen wurden durch herabfallende Trümmerteile getroffen. Das albanische Gesundheitsministerium meldete zuletzt 108 Verletzte. Einige mussten wegen Verletzungen, die sie sich durch herabstürzende Gegenstände oder einstürzende Mauern zugezogen hatten, stationär behandelt werden. Andere kamen wegen Panikattacken ins Krankenhaus. Tote gab es laut einer Sprecherin des albanischen Verteidigungsministeriums nicht.

Nach Angaben der Behörden hatte das heftigste Beben am Samstagnachmittag eine Stärke von 5,8. Darauf folgten drei Nachbeben, jeweils mit einer Stärke von 5,1 sowie 4,7 und 4,8. Laut dem Ministerium befand sich das Epizentrum des ersten Bebens bei Kap Rodon nördlich der Hafenstadt Durrës. Es handele sich um "das stärkste Erdbeben in Albanien seit 20 bis 30 Jahren", sagte die Ministeriumssprecherin. In der Hauptstadt Tirana wurden Gebäude beschädigt, stürzten aber nicht ein. Ein besonders schwer beschädigtes großes Gebäude wurde evakuiert.

Selbst in den Nachbarländern zu spüren

Medienberichten zufolge lösten die Erdstöße vor allem in Durrës und Tirana Panik aus. Viele Menschen liefen erschrocken auf die Straße. Die Stadtverwaltung von Tirana gab bekannt, dass bei Bedarf Notfallteams in der gesamten Stadt zur Verfügung stünden. Die Beben waren auch in den Nachbarländern Montenegro und Nordmazedonien zu spüren.

Ein heftiges Nachbeben in der Nacht zum Sonntag löste unter vielen Menschen erneut Angst aus.

Fotos zeigen starke Gebäudeschäden, etwa an der Geologie-Fakultät der Universität in Tirana. Herabgefallene Steine und andere Trümmerteile zerstörten dort Autos. An einem anderen Gebäude in der Hauptstadt war ein vertikaler Riss über mehrere Etagen zu erkennen. Die Stromversorgung und Telefonverbindungen waren vielerorts unterbrochen, auch in der Hauptstadt. 

Albaniens Ministerpräsident bleibt der UN-Vollversammlung fern

Ernsthafte Verletzungen habe sie bei ihrem Besuch in der Notaufnahme des Unfallkrankenhauses in Tirana nicht gesehen, sagte die Gesundheitsministerin Ogerta Manastirliu der staatlichen Nachrichtenagentur ATA. Ministerpräsident Edi Rama sagte wegen der Erdbebenserie seine Teilnahme an der UN-Vollversammlung in New York ab. Er unterbrach seine Reise in Frankfurt, um nach Albanien zurückzukehren, wie ATA unter Berufung auf Regierungsstellen berichtete.

Der Mittelmeerraum gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen Europas. Dort bewegen sich die Afrikanische und Eurasische Kontinentalplatte aufeinander zu, wodurch sich Spannungen aufbauen, die sich in Erdbeben entladen, wie eine Geophysikerin der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sagte. Hinzu kämen sogenannte Mikroplatten wie die Adriatische Platte, deren Grenze unter anderem an Albaniens Küste verläuft.

Erdbeben wie das in Albanien seien dennoch auch an der Adriaküste "nicht an der Tagesordnung", sagte die BGR-Expertin. Zuletzt habe es dort am 1. Juni im Südosten des Landes ähnlich heftige Beben mit einer Stärke von 5,2 gegeben. Auch dabei seien "erhebliche Schäden" entstanden.