Das Brandrodungsverbot, mit dem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die Regenwaldbrände eindämmen will, hat noch keine Wirkung erzielt. Im Gegenteil: Die Zahl der Feuer sind wieder gestiegen. Satellitenbilder des brasilianischen Weltrauminstituts Inpe zeigten 3.859 neue Brandherde seit Donnerstag. Rund 2.000 davon befinden sich im Amazonasbecken.

Die brasilianische Regierung hatte am Mittwoch ein Dekret verabschiedet, welches das Abbrennen landwirtschaftlicher Flächen während der Trockenzeit verbietet. Demnach dürfen in den kommenden 60 Tagen keine Feuer mehr gelegt werden, um beispielsweise Weide- und Ackerflächen auf gerodeten Flächen zu erschließen. Bereits am Freitag schränkte die Regierung das Verbot wieder ein. Galt es zunächst für das gesamte Land, können nun Brände außerhalb der neun Bundesstaaten des Amazonasgebietes, die für die Ernte notwendig sind, genehmigt werden.

Steinmeier will Rodungen weniger attraktiv machen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich angesichts der Brände im Amazonasgebiet für einen besseren Schutz der Wälder aus. Beim Bürgerfest in Schloss Bellevue sagte er: "Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dass die Rodung des Waldes nicht mehr attraktiv ist." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot Brasilien eine Zusammenarbeit zum Schutz des Amazonasgebiets an. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) schlug derweil eine Zertifizierung von Fleisch aus Brasilien vor, während die Grünen einen Importstopp für Fleisch und Soja aus Regenwaldregionen forderten.

Umweltschützerinnen und -schützer vermuten, dass Farmerinnen und Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand setzen, um neue Weideflächen und Ackerland für den Sojaanbau zu gewinnen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Kritikerinnen und Kritiker werfen Bolsonaro vor, eine Atmosphäre geschaffen zu haben, in der sich Farmerinnen und Farmer zur Brandrodung ermutigt fühlen.

Bolsonaro, der den menschengemachten Klimawandel anzweifelt, hat seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn eine Politik betrieben, die es der Agrarwirtschaft erlaubte, immer weiter in das wald- und artenreiche Amazonasgebiet vorzudringen. Seitdem verzeichnet Brasilien mit einem Anstieg von 71 Prozent deutlich mehr Waldbrände als im Vorjahr. Trotzdem liegt die Zahl der Brände nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa noch immer etwa im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Zwischen 2002 und 2007 sowie 2010 gab es deutlich mehr Feuer. Brasilien spielt wegen seiner riesigen Waldgebiete eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Erderwärmung.