Dem mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten wird nun auch versuchter Mord mitsamt gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Das teilte die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Demnach soll Stephan E. versucht haben, einen irakischen Asylbewerber "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" zu töten. Die Tat geschah im Januar 2016 im hessischen Lohfelden. Dabei soll sich E. seinem Opfer von hinten genähert und ihn unmittelbar mit einem Messer attackiert haben. Der Flüchtling wurde schwer am Rücken verletzt und musste danach auf einer Intensivstation behandelt werden.

Als ausschlaggebend für den versuchten Mord sehen die Ermittler die "rechtsextremistische Weltanschauung" des Verdächtigen. Die Bundesanwaltschaft habe deshalb die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Kassel übernommen.

Die oberste deutsche Anklagebehörde ermittelt bereits im Fall Walter Lübcke gegen Stephan E. Der Kasseler Regierungspräsident war am 2. Juni vor seinem Haus in Istha nahe der hessischen Landeshauptstadt mit einem Kopfschuss getötet worden. Auch hier gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus. Der Tatverdächtige E. legte nach seiner Festnahme zunächst ein Geständnis ab, zog dieses später aber wieder zurück. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft. E. soll Mitglied in mehreren rechten Gruppen und Netzwerken sein. 

Anlass für den Mord an Lübcke war möglicherweise eine Informationsveranstaltung zur Aufnahme von Flüchtlingen im Jahr 2015. Der Regierungspräsident hatte damals gesagt, wer "die Werte" Deutschlands nicht teile, könne das Land verlassen. Diese Aussage sorgte für heftigen Protest der Anwesenden – unter ihnen auch Stephan E. Er soll die Ermordung Lübckes demnach schon länger erwogen haben und mehrere Male mit einer Waffe zum Haus Lübckes gefahren sein.