Der Auftritt des Musikers Herbert Grönemeyer bei einem Konzert in Wien in der vergangenen Woche hat eine politische Debatte ausgelöst. In einem Video, das bei dem Auftritt des Sängers in Wien entstanden sein soll, ist zu sehen, wie er lautstark dazu aufruft, "keinen Millimeter nach rechts" zu rücken. Auch wenn Politiker schwächelten, und das sei in Österreich nicht anders als in Deutschland, "dann liegt es an uns, zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so 'ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze (…)."

Einige Kritiker, darunter auch AfD-Politikerinnen und -Politiker, reagierten auf Twitter auf den Auftritt des Sängers und monierten einen unpassenden Stil und Tonfall. So kritisierten sie, dass Grönemeyer das Wort "diktieren" nutzte, andere sprachen von "Nazi-Propaganda".

Kritik an dem Auftritt kam allerdings nicht nur aus dem rechten Lager. Der Autor und Dramaturg Bernd Stegemann, Unterstützer der linken Sammlungsbewegung Aufstehen, schrieb auf Twitter: "Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sag's ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945."

Prominente Unterstützung für sein Engagement bekam Grönemeyer dagegen von Außenminister Heiko Maas. "Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Danke an Herbert #Groenemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun."

Maas zeigt sich nicht zum ersten Mal solidarisch mit Musikern, die sich gegen rechte Hetze positionieren. So lobte er 2016 neben Campino von den Toten Hosen und dem Rapper Marteria die linke Punkrockband Feine Sahne Fischfilet für ihr Engagement gegen rechts. 

"Wer den Ton vom Gesagten trennt, betreibt das Geschäft der Faschisten"

Verteidigt wurde der Musiker auch vom Kabarettisten Florian Schroeder. Als Besucher des Berliner Grönemeyer-Konzerts könne er bestätigen und beruhigen: Grönemeyer brülle alle seine Moderationen so wie diese. "Grönemeyers Aufruf mit einer Sportpalast-Rede zu vergleichen, ist infam und vor allem dumm", schrieb Schroeder auf Twitter. Entscheidend sei der Inhalt einer Rede, nicht der Ton. "Wer den Ton, die Form, vom Gesagten trennt oder darüber stellt, betreibt gerade das Geschäft der Faschisten."

Der Satiriker Shahak Shapira schrieb: "Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte."

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, reagierte ebenfalls auf den Auftritt Grönemeyers sowie den Tweet von Außenminister Maas. "Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe." Von Storch sprach von einem Ton und Furor "des neuen Terrors von links". "Wer das unterstützt, ist – wie Heiko Maas – ein Fall für den Verfassungsschutz."

Grönemeyer gehört zu den Musikern in Deutschland, die sich regelmäßig politisch äußern. Im vergangenen Juli war Grönemeyer bei einem Konzert in Chemnitz aufgetreten, das unter dem Motto #wirbleibenmehr stand. Das Konzert mit mehreren prominenten Künstlern war eine Folgeveranstaltung des #wirsindmehr-Konzerts, das 2018 anlässlich rechter Ausschreitungen in der Stadt stattfand. Bei seinem Auftritt äußerte Grönemeyer ebenfalls Kritik an rechten Kräften und sagte: "Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken."