Mehrere Tausend Menschen haben am ersten Publikumstag der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt für eine Verkehrswende demonstriert. Auf der Kundgebung im Stadtzentrum trugen sie ihre Forderung nach einem sofortigen Verzicht auf Verbrennungsmotoren vor. Bis 2035 müsse der Straßenverkehr in Deutschland völlig klimaneutral sein, hieß es bei der Kundgebung unter dem Motto "Aussteigen".

Die Demonstration begann mit einer Aktion in der Innenstadt: Eine mit den Logos von Autokonzernen beklebte Großpuppe, aus deren Hose phallusartig ein Auspuff hervorragte, wurde von einem Demonstranten abgesägt – die Säge trug die Aufschrift "Autokonzerne entmachten!".

Der Protest wird von dem Bündnis #aussteigen getragen, in dem sich ADFC, BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, NaturFreunde Deutschlands und VCD engagieren. Sie werfen der Autoindustrie vor, den Wandel zu emissionsfreier Elektromobilität nicht entschlossen genug voranzutreiben und unter anderem weiter auf besonders klimaschädliche Stadtgeländewagen (SUV) zu setzen. Sie fordern den Vorrang für Rad- und Fußverkehr sowie Bus und Bahn.

"Zeit für protzige Spritschlucker ist vorbei"

Vor den Toren des Messegeländes demonstrierten am Nachmittag nach Angaben der Veranstalter 25.000 Menschen, die zum größten Teil mit dem Rad angereist waren. Für eine Fahrradsternfahrt mit 13 Routen und weit mehr als 500 Kilometern waren zwei Autobahnabschnitte vorübergehend gesperrt worden. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern.

Die Demonstranten forderten ein sofortiges Ende von Verbrennungsmotoren, eine Abkehr von großen Geländewagen, den Umstieg auf kleine sparsame Elektroautos und den Umbau der autogerechten zur fahrrad- und fußgängerfreundlichen Stadt.

"Die Zeit für protzige Spritschlucker und immer größere SUVs ist vorbei", verlangten die Organisatoren. "Heute haben sich Tehntausende Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad die Stadt von der Autoindustrie zurückerobert." Die Bundesregierung müsse nun "liefern" und den Rahmen setzen für eine Wende "weg von der autofixierten Verkehrspolitik und hin zu klimafreundlichen, sauberen und lebenswerten Städten".

Die Aktionen sollen am Sonntag weitergehen. Unter dem Motto "Sand im Getriebe" ist eine Blockade der Messe geplant. Für mehr Lebensqualität in den Städten müsse das Auto zurückgedrängt werden, forderte das Bündnis #aussteigen.

Die Internationale Automobilausstellung (IAA) öffnete am Samstag ihre Tore für die Öffentlichkeit. Bereits am Donnerstag hatte es am Rande des traditionellen Rundgangs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der IAA Proteste gegeben. Am Freitag hatten Teilnehmer der Klimaschutzbewegung Fridays for Future in Frankfurt gegen die IAA protestiert.