Die Bundesanwaltschaft hat die Frau des mutmaßlich vor längerer Zeit getöteten Berliner Musikers und späteren Dschihadisten Denis Cuspert alias Deso Dogg festnehmen lassen. Omaima A., die die deutsche und die tunesische Staatsangehörigkeit besitzt, wurde in Hamburg verhaftet. Wie die Anklagebehörde in Karlsruhe mitteilte, ist sie dringend verdächtig, in Syrien Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewesen zu sein. Am Dienstag soll A. einem Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Laut Ermittlungen der Bundesanwaltschaft reiste A. 2015 mit ihren drei minderjährigen Kindern in ein vom IS beherrschtes Gebiet. Im syrischen Rakka soll sie zunächst den Haushalt ihres ersten Ehemanns geführt und die Kinder "im Sinne der IS-Ideologie" erzogen haben. So habe sie es ihrem Mann Nadar H. ermöglicht, für die terroristische Vereinigung als Kämpfer tätig zu werden, heißt es in der Anklageschrift. Der IS soll sie demnach finanziell unterstützt haben – auch über den Tod ihres Mannes Nadar H. hinaus, der bei einem Luftangriff getötet worden war.

Deso Dogg wohl Anfang 2018 getötet

Wenige Monate später heiratete A. nach islamischem Recht den deutschen Dschihadisten Denis Cuspert und lebte auch mit diesem zusammen in einem Haushalt. Im September 2016 verließ sie Syrien und kehrte nach Deutschland zurück. Hintergrund war den Ermittlungen zufolge unter anderem, dass sie ihr viertes Kind in Deutschland zur Welt bringen wollte. Zudem gab es immer wieder Streit zwischen den Eheleuten.

A. wird neben der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrororganisation auch die Verletzung der Fürsorgepflicht für ihre Kinder zur Last gelegt. Zudem soll sie gegen das Gesetz zur Kontrolle von Kriegswaffen verstoßen haben, weil sie sich in Syrien zeitweise im Besitz eines Sturmgewehrs vom Typ Kalaschnikow befunden haben soll.

Ihr zweiter Ehemann war einst als Rapper bekannt geworden. Unter dem Künstlernamen Deso Dogg veröffentlichte er in Berlin erste Songs, bevor er sich 2012 nach Ägypten absetzte und anschließend dem IS in Syrien anschloss. Laut US-Regierung war er in verschiedenen Propagandavideos der Gruppe zu sehen und soll Deutsche für den IS rekrutiert haben. In den USA stand er deshalb auf der Terrorliste. Medienberichten zufolge wurde er im Januar 2018 in Syrien bei einem Luftangriff getötet.