Die US-amerikanische Universität Harvard hat angekündigt, einen Teil der Spenden des Unternehmers Jeffrey Epstein an Hilfsprojekte für Opfer von Menschenhandel und sexueller Misshandlung weiterzugeben. Damit reagiert die Eliteuniversität auf die Vorwürfe, finanzielle Zuwendungen eines verurteilten Sexualstraftäters angenommen zu haben. Neben Harvard stehen auch andere Institute wie zum Beispiel das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in der Kritik.

Zu ihrer Ankündigung teilte die Universität mit: "Dies ist ein ungewöhnlicher Schritt für die Universität. Aber wir haben entschieden, dass dies unter den Umständen von Epsteins widerwärtigen Verbrechen die richtige Vorgehensweise ist." Allerdings handele es sich bei dem Betrag, der an Hilfsprojekte weitergeleitet wird, nur um etwa 186.000 noch nicht ausgegebene Dollar (etwa 168.000 Euro) von Epsteins Spenden. Insgesamt hatte die Elite-Uni in den Jahren zwischen 1998 und 2007 laut eigenen Angaben Geld- und Sachgeschenke im Wert von rund 8,9 Millionen Dollar von dem Unternehmer erhalten. Diese seien aber größtenteils bereits in Forschung und Lehre investiert worden.

Schwerwiegende Missbrauchsvorwürfe

Epstein ist erst kürzlich gestorben. Laut offiziellen Angaben soll der Multimillionär Selbstmord begangen haben, als er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagt werden sollte. Der Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift wurde Epstein vorgeworfen, zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring aufgebaut zu haben. Der Unternehmer war schon einmal zu einer Haftstrafe wegen Sexualstraftaten verurteilt worden. Ab 2005 legte eine Untersuchung offen, dass Epstein über Jahre hinweg Frauen und minderjährige Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen hatte. 

Nach dem Tod von Epstein hat sich eine kritische Debatte entwickelt, ob man als Unternehmen, Hochschule oder Wissenschaftlerin und Wissenschaftler Geld von einem verurteilten Kriminellen annehmen sollte. Denn auch nachdem Epstein wegen guter Führung bereits nach 13 Monaten entlassen worden war, hatten einige Institute weiter Gelder des Verurteilten angenommen, die Zuwendungen aber teilweise unter falschem Namen verschleiert. Deswegen hatte zuletzt der Leiter des MIT Media Lab, Jōichi Itō, sein Amt niedergelegt.