Die Zahl rechtsextremer Verdachtsfälle in der Bundeswehr ist einem Bericht zufolge erneut gestiegen. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) führe nun 478 "Verdachtsfall-Operationen im Phänomenbereich Rechtsextremismus", wie aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums an den Grünenpolitiker Konstantin von Notz hervorgehe, berichtete der Spiegel. Noch im April hatte der MAD in 431 Fällen ermittelt.

Der MAD bezeichnet Soldatinnen und Soldaten als Verdachtsfall, wenn es Hinweise gibt, dass diese ein rechtsextremes und verfassungsfeindliches Weltbild haben. Das Verteidigungsministerium hatte bereits angekündigt, der MAD werde sein Vorgehen gegen mögliche Extremisten verstärken und dazu auch reformiert.

Der Grünenpolitiker von Notz fragte dem Bericht zufolge zudem das Verteidigungsministerium, wie viele Angehörige der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) wegen möglicher rechter Tendenzen beobachtet werden. Das Ministerium habe jedoch mitgeteilt, der MAD erfasse die Verdachtsfälle nicht nach einzelnen Einheiten oder Truppengattungen.

Vor einem Jahr hatten Vorwürfe gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. eine öffentliche Diskussion über rechtsextreme Gruppen in der Bundeswehr ausgelöst. A. war wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, "aus einer völkisch-nationalistischen Gesinnung" heraus einen Anschlag auf Menschen geplant zu haben, die aus seiner Sicht ein flüchtlingsfreundliches Engagement zeigten.