Nach Übergriffen gegen nigerianische Migrantinnen und Migranten in Südafrika sind Läden und Büros südafrikanischer Unternehmen in Nigeria angegriffen worden. Betroffen waren Geschäfte in der Wirtschaftsmetropole Lagos, der Universitätsstadt Ibadan sowie der Großstadt Uyo, wie die nigerianische Regierung mitteilte.

Medien berichteten von überwiegend jungen Menschen, die am Dienstagabend als Reaktion auf die Vorfälle in Südafrika Geschäfte und Niederlassungen des südafrikanischen Telekomkonzerns MTN anzündeten, Filialen der Supermarktkette Shoprite angriffen und Geschäfte der Bekleidungsgruppe PEP plünderten. Die Regierung des Bundesstaats Lagos verurteilte die Gewalt.

In Johannesburg hatte es vor einigen Tagen – kurz vor einer Afrikatagung des Weltwirtschaftsforums, die am Mittwoch begann – zunächst Ausschreitungen in einem der Hauptgeschäftszentren gegeben, die sich dann auf andere Stadtteile sowie die südafrikanische Hauptstadt Pretoria ausbreiteten. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen Migrantinnen und Migranten aus anderen afrikanischen Ländern, am schwersten betroffen waren Menschen aus Nigeria. Die Afrikanische Union (AU), die Kirche sowie die Regierungen Südafrikas und Nigerias äußerten sich besorgt über die Gewalt.

Nigerias Regierung will Sonderbeobachter nach Südafrika schicken

Nigerias Regierung kündigte außerdem an, einen Sonderbeobachter nach Südafrika zu schicken, der mit der dortigen Regierung über die aktuelle Lage sprechen solle. Präsident Muhammadu Buhari wolle selbst im Oktober nach Südafrika reisen und sich um den Schutz seiner Landsleute bemühen.

Während die südafrikanische Regierung allgemein von inakzeptabler Kriminalität spricht, berichten die Medien des Landes von gezielten Anschlägen gegen Ausländerinnen und Ausländer. In der Vergangenheit wurden Zugewanderte aus Nachbarländern wie Lesotho, Mosambik und Simbabwe für die hohe Arbeitslosigkeit im Land verantwortlich gemacht. Zudem gibt es immer wieder fremdenfeindliche Attacken auf Menschen aus Nigeria. Auslöser der jüngsten Unruhen soll ein Internetaufruf gewesen sein, in dem besonders Nigerianerinnen und Nigerianern vorgeworfen wurde, in Südafrika Drogen zu verkaufen und den Einheimischen Jobs wegzunehmen.

Obwohl Nigeria neben Südafrika zu den beiden größten Volkswirtschaften Afrikas zählt, ist Südafrika seit Jahrzehnten das beliebteste Migrationsziel des Kontinents. Nach Angaben der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) lebten 2017 mehr als vier Millionen Zugewanderte dort.