Drei Männer, denen Folter in libyschen Flüchtlingslagern vorgeworfen wird, könnten mit dem deutschen Rettungsschiff Sea-Watch 3 in Italien angekommen sein. Sie wurden nach Angaben der Polizei im September in einem Aufnahmelager in Messina gefasst, nachdem andere Migranten sie erkannt hatten.

Den Männern wird vorgeworfen, in dem nordafrikanischen Land Migranten vergewaltigt, gequält oder sogar umgebracht zu haben. "Die Migranten wurden systematisch schikaniert und Gräueltaten ausgesetzt – durch wiederholte und ständige körperliche Gewalt", hieß es damals in einer Mitteilung der Polizei. Brutale Schläge mit Stöcken, Gewehrschüsse, Elektroschocks gehörten demnach dazu. Laut der Polizei waren die Verdächtigen am 29. Juni in Lampedusa angekommen – an jenem Tag, an dem die Sea-Watch 3 ohne Erlaubnis in den dortigen Hafen eingefahren war.

Den Vorwurf, die Männer seien mit den Schiff der deutschen Kapitänin Carola Rackete nach Italien gelangt, hatte die rechtsgerichtete Zeitung Il Giornale erhoben. Italiens rechter Ex-Innenminister Matteo Salvini forderte von Rackete umgehend eine Entschuldigung: "Sie hat nicht nur die Gesetze gebrochen und ein Boot der Finanzpolizei gerammt: Am 29. Juni soll die Sea-Watch 3 von Carola Rackete auch drei Migranten in Italien abgeladen haben, denen Gewalt, Vergewaltigung (...) und Mord vorgeworfen wird." Gegen Rackete wird in Italien seit der Einfahrt in den Hafen wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt.

"Wir können nicht scannen, wer die Leute sind"

"Wir können das nicht ausschließen, haben aber selbst keine gesicherten Informationen dazu", sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer zu dem Vorwurf. Folter sei einer der Hauptgründe, warum die Menschen aus Libyen fliehen. Daher sei es durchaus möglich, dass auch Täter auf den Schiffen seien. "Es ist daher sehr wichtig, dass dem nachgegangen wird."

Hilfsorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass sie nicht wissen können, wer genau die Leute auf ihren Schiffen sind. "Wir können nicht scannen, wer die Leute sind. Die kommen ohne Pässe", sagte auch Neugebauer. Seit Jahren herrschen in Libyen Bürgerkrieg und Chaos. Migrantinnen und Migranten versuchen, über das Land nach Europa zu kommen. Für viele endet diese Reise in einem Internierungslager.