Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will zur Seenotrettung von Flüchtlingen ein Schiff ins Mittelmeer schicken. Nach gründlicher Prüfung habe man beschlossen, eine entsprechende Resolution des Evangelischen Kirchentages umzusetzen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Donnerstag in Berlin. Dazu werde im Verbund mit anderen Organisationen ein Verein gegründet, der ein Schiff kaufen soll.

Das Rettungsschiff soll aber nicht von der Kirche selbst betrieben werden, sondern von einem Trägerverein, in dem mehreren Organisationen vertreten sind – große und kleine Einrichtungen, Sportvereine, Hilfsorganisationen, Kirchengemeinden, Schulen, aber auch Theater würden sich beteiligen, sagte Bedford-Strohm. Die Gründung solle in den kommenden Wochen vorbereitet werden. Kauf und der üblicherweise nötige Umbau des Schiffes würden mehrere Monate dauern. Die Evangelische Kirche geht von Kosten im hohen sechsstelligen oder niedrigen siebenstelligen Bereich aus. Um das Projekt zu finanzieren, sei auch eine Spendenaktion denkbar.

Bedford-Strohm betonte, dass es der Kirche nicht nur um Symbolik gehe: "Es werden ganz konkret Menschen gerettet." Zugleich forderte er, dass es dringend eine politische Lösung für die Verteilung der aus Seenot geretteten Flüchtlinge innerhalb Europas geben müsse.

Auch politische Lösung gefordert

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz begrüßte das Engagement der evangelischen Kirche. "Bereits jetzt unterstützen die Kirchen die Seenotrettung auf vielfältige Weise", sagte ein Sprecher. Auch auf katholischer Seite werde es weiter Aktivitäten in diesem Feld geben.

Im Mittelmeer sind mehrere Hilfsorganisationen immer wieder mit eigenen Rettungsschiffen im Einsatz. Italien und Malta als nächste Anrainerstaaten verweigern regelmäßig die Einfahrt in ihre Häfen. Die geretteten Menschen müssen daher meist tagelang auf den Schiffen ausharren, bis sich genug europäische Staaten zu ihrer Aufnahme bereit erklären. Über eine dauerhafte Lösung wird schon lange diskutiert.

Bedford-Strohm betonte daher, die Kirche trete gleichzeitig für eine politische Lösung ein. Nötig sei ein Verteilmechanismus für im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge, damit nicht jedes Mal das "Geschachere" um ihre Verteilung beginne. Außerdem forderte der EKD-Ratsvorsitzende, die Kriminalisierung von Seenotrettern zu beenden. "Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, darf nicht kriminalisiert werden." Er verlangte zudem, dass die staatliche Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufgenommen wird.