Die Bundesanwaltschaft hat beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs einen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Angreifer von Halle erwirkt. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet, sagte ein Behördensprecher. Zuvor hatten Ermittler die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, hieß es.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat unterdessen den Tatort besucht. Er trug einen Kranz zur Synagoge. Er kam in Begleitung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). "Dieser Tag ist ein Tag der Scham und der Schande", sagte Steinmeier. Einen solchen "feigen Anschlag" zu verurteilen, reiche nicht. Das Land müsse Verantwortung übernehmen und eine klare Haltung zeigen. "Die Geschichte mahnt uns, die Gegenwart fordert uns."

Am Mittwochmittag hatte ein bewaffneter Attentäter versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen. Sie war wegen des hohen jüdischen Feiertages Jom Kippur voll besetzt. Der Angreifer scheiterte an der verschlossenen Tür. Er erschoss daraufhin zwei Menschen, bevor er von der Polizei festgenommen werden konnte. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Bei dem Täter handelt es sich ersten Erkenntnissen zufolge um einen Rechtsextremen. Er filmte die Tat mit einer Helmkamera. Das Video ist ein rechtsextremistisches Bekenntnis. Zudem hinterließ er ein antisemitisches Manifest. 

Der Präsident des Zentralrats der Juden kritisierte am Mittwoch die Polizei, weil kein Wachschutz für die Synagoge bereitgestellt worden war. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös", sagte Schuster. Im Deutschlandfunk bezeichnete Schuster die technischen Schutzmaßnahmen am Mittwoch als sehr gut. "Aber wäre hier ein Polizeiposten gewesen, hätte der Mann unschädlich gemacht werden können." Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, schloss sich dem an. "Bei uns gibt es nie Polizeikontrollen", sagte er. Nicht einmal bei der Chanukka-Feier, dem Jüdischen Lichterfest, mit mehreren hundert Menschen, sei die Polizei präsent, obwohl er darum bitte.

AfD verneint Mitverantwortung

Die AfD reagierte am Donnerstag auf Vorwürfe, wonach die Partei eine Mitverantwortung für die Tat trage. "Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen", sagte  Fraktionschefin Alice Weidel. Namentlich nannte sie den bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU) und den SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach.

Hermann hatte im Bayerischen Rundfunk von "geistigen Brandstiftern" gesprochen. In letzter Zeit seien da auch einige Vertreter der AfD in "unverschämter Weise" aufgefallen. Karl Lauterbach hatte gewittert: "Es ist die Hetze der AfD, die dem Rechtsextremismus eine politische Stimme gab."

Zudem verurteilte die AfD den Anschlag auf die Synagoge. "Wir sind erschüttert über dieses monströse Verbrechen. Wir trauern mit den Angehörigen um die Ermordeten und wünschen den Verletzten rasche und vollständige Genesung", hieß es von Fraktionschef Alexander Gauland. Antisemitischer Terror und extremistische Gewalt müssten "konsequent bekämpft und hart bestraft werden, egal aus welcher Richtung und Gesinnung sie kommen".