Halle - "Es macht einen tieftraurig" Nach den tödlichen Schüssen in Halle haben sich Anwohner zu einer Mahnwache zusammengefunden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Motiv des Täters aus.

An der Authentizität der Bilder gibt es keinen Zweifel. Sie legen nahe, dass Stefan B. ein rechtsextremer Einzeltäter war, einer jener einsamen Wölfe, vor denen sich Sicherheitsbehörden fürchten, weil sie vor ihren Taten so schwer zu erkennen sind. Gerade erst hatte Generalbundesanwalt Peter Frank im Gespräch mit der ZEIT vor solchen Tätern gewarnt.

Auf dem Video zu sehen ist auch die Szene, die ein Beobachter gefilmt hatte und die von mehreren Nachrichtensendern verbreitet wird. Darin steigt der Täter auf der Ludwig-Wucherer-Straße aus seinem Auto und gibt vier Schüsse aus einer Schrotflinte ab. Anschließend steigt er wieder ein und es sieht so aus, als werde er dabei von Schüssen getroffen. Das Video des Täters belegt das, er wird am Hals getroffen. Bei seiner Flucht mit dem Auto blutet er am Hals. In der letzten Einstellung sagt er in die Kamera, dass er das Handy nun loswerden wolle und wirft es offenbar aus dem Autofenster.

Es ist die Flucht nach Wiedersdorf, wo er den Besitzer einer Autowerkstatt bedrohte und in einem Taxi weiter floh. Verhaftet wurde er von der Polizei letztlich bei Zeitz.

Manifest belegt den Judenhass

Neben dem Video hat der Attentäter auch eine Art Manifest hinterlassen. Hierbei folgt er ebenfalls seinen mutmaßlichen Vorbildern Breivik und dem Christchurch-Attentäter. Das Schreiben liegt ZEIT ONLINE vor. Wie auch das Video haben es die Forscher am Londoner ICSR entdeckt.

Das Dokument enthält ausführliche Fotos und Beschreibungen seines selbst gebastelten Waffenarsenals. Darüber hinaus gibt es Auskunft über seine Absichten und Planungen.

Es ist von extremem Antisemitimus getränkt. Die Synagoge von Halle habe er als Ziel ausgewählt, weil sie der nächstgelegene Ort sei, an dem er Juden finden könne. Aus seiner Schrift, die er auf Englisch abgefasst hat – mutmaßlich, um ein globales Publikum zu erreichen – geht hervor, dass er an eine jüdische Weltverschwörung glaubt.

Weiter schreibt der Attentäter, er habe ursprünglich vorgehabt, eine Moschee oder ein Antifa-Zentrum zu stürmen, weil sie schlechter bewacht seien. Doch gehe es ihm vor allem darum, Juden zu ermorden. Wenn er nur einen Juden töte, sei das den Anschlag wert, heißt es in dem Text.

Außerdem wollte er demnach mit seinem Attentat auch den Beweis führen, dass improvisierte Waffen schlagkräftig sind. Detailliert wird ausgeführt, wie er die Schrotflinte und zwei vollautomatische Waffen gebaut und die Munition dafür hergestellt hat.

Anschlag in Halle - Zentralrat der Juden kritisiert Sicherheitsvorkehrungen Der fehlende Polizeischutz vor der Synagoge in Halle sei nicht nachvollziehbar, sagte Zentralratschef Josef Schuster. An Feiertagen bestehe eine erhöhte Gefahrenlage. © Foto: Karl-Josef Hildebrand/dpa/Picture Alliance