Stephan B., der Attentäter von Halle, hat nach Informationen von ZEIT ONLINE das Attentat von Christchurch als Vorbild für seine Taten genannt. Im März hatte ein Rechtsextremer in der neuseeländischen Stadt 51 Menschen getötet. Kurz danach begann Stephan B. seine Vorbereitungen.

Die vorläufige Auswertung der Geldbewegungen seines Sparkassenkontos hat demnach ergeben, dass Stephan B. Teile des Zubehörs für seine Waffen im Internet kaufte und über seinen PayPal-Account bezahlte. Unter anderem erwarb er im Mai Material für einen 3-D-Drucker. Weitere Bestandteile, darunter Metallrohre, kaufte er auf dem Trödelmarkt. Im Juli schloss Stephan B. dann den Vertrag für das Handy der Marke Samsung ab, mit dem er seine Taten filmte.

Damit wählte der Rechtsextremist einen anderen Weg als etwa der mutmaßliche Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke, der mehrere Waffen illegal erworben hatte. Der Mörder von Halle hingegen beschaffte sich die Einzelteile seines Arsenals legal über das Internet und baute sich anschließend seine Waffen zusammen.

Er folgte damit einer Ideologie, die unter anderem in der rechtsextremen Alt-Right-Szene verbreitet ist. Knapp zusammengefasst lautet sie ungefähr so: Der weiße Mann muss bewaffnet sein, damit er sich gegen jene, die ihn angeblich auslöschen wollen, verteidigen kann – seien es Migranten oder Juden. Wenn der Staat ihm die Waffen verbietet, die er glaubt haben zu müssen, dann muss er sie eben selbst bauen.

Blech, Schrauben, Federn

Neu ist diese Szene nicht. Eine ihrer Galionsfiguren, der britische Büchsenmacher Philip Luty, veröffentlichte seine Waffenbauanleitungen schon vor 15 Jahren in Büchern und Artikeln. Er wollte damit gegen die britischen Waffengesetze protestieren, die automatische Waffen verbieten.

Trotz strenger Waffengesetze – das wollte Luty beweisen – ist es für den Staat nahezu unmöglich, die Verbreitung von Waffen komplett zu kontrollieren. Luty entwarf eine Maschinenpistole, englisch submachine gun oder SMG, die nur aus einfachen Blechen, Schrauben und Federn besteht. Alle Materialien dafür kann man im Baumarkt kaufen. Mit einer solchen "Luty SMG" erschoss der Täter von Halle eine vierzigjährige Frau auf der Straße vor der Synagoge.

Auch einen zweiten Verfechter der Selbstbauidee versuchte B. zu kopieren. Der Texaner Cody Wilson veröffentliche 2013 im Internet Pläne, mit denen eine Pistole gedruckt werden kann – in einem 3-D-Drucker. Er wollte damit ebenfalls gegen aus seiner Sicht restriktive Waffengesetze protestieren. Mit einem solchen Drucker experimentierte auch B. und fertigte darauf Teile für seine Waffen, darunter ein Griffstück und Magazine.

In Deutschland ist es illegal und wird bestraft, Waffen selbst zu bauen. Im Internet aber gibt es zahllose Videos und Anleitungen, wie sich aus alltäglichen Bauteilen Waffen fertigen lassen. Bomben, Gewehre, Pistolen: Das Internet ist nicht daran schuld, es hat jedoch die Verfügbarkeit dieses Wissens erhöht, den Zugang dazu erleichtert. 

Kein Manifest, eine Waffenbauanleitung

Es ist allerdings nicht ganz einfach, eine Waffe zu bauen, die dann auch wirklich funktioniert. Dafür braucht es einige handwerkliche Fähigkeiten, Übung und Geduld. Stefan B. hat damit offenbar einige Monate verbracht. Dennoch hatten seine Waffen Ladehemmungen, seine Geschosse konnten die Holztür der Synagoge nicht durchdringen, seine Bomben waren eher Knaller.

Dieses Scheitern hatte er offenbar einkalkuliert. In seinem sogenannten Manifest, das vor allem eine Waffenbauanleitung ist, nennt er die potenziellen Schwächen jeder einzelnen Konstruktion in seinem Arsenal und rechnet geradezu damit, dass sie nicht funktionieren könnten. Er zeigt jede Einzelheit, damit andere aus den Fehlern lernen können.  

Denn offensichtlich wollte Stephan B. Nachahmer animieren, es ihm gleichzutun. In den Diskussionsforen, in denen er sein Video und seine Texte hochgeladen hatte, bat er darum, sie weiterzuverbreiten. So wie er selbst andere Täter vor ihm kopiert hatte, hoffte er, dass auch er kopiert werden würde. Die ersten beiden Ziele, die er in seiner Bauanleitung formuliert, lauten: "Beweisen, dass improvisierte Waffen tauglich sind." Und durch die Verbreitung der Bilder seiner Tat "die Moral der unterdrückten weißen Rasse heben".

Halle - Augenzeuge beschreibt Angriff auf Synagoge in Halle Roman Yossel Remis befand sich während des Anschlags in Halle in der Synagoge. In einem Video beschreibt er die Minuten des Angriffs. © Foto: Getty Images / Facebook