Stephan B., der mutmaßliche rechtsextreme Attentäter von Halle, soll sich nach seiner Festnahme als Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien gezeigt haben. Dies berichtet der Spiegel unter Berufung auf dessen Aussagen vor dem Ermittlungsrichter.

Demnach behauptete B. bei seiner Haftvorführung in Karlsruhe, Juden strebten die Weltherrschaft an. Für B. stecken Juden auch hinter der US-Notenbank und der Europäischen Union, Parteien wie die Grünen und die Linken seien durchsetzt mit Juden. Auch die Flüchtlingsbewegungen würden für B. laut Spiegel durch den US-Finanzinvestor George Soros verursacht: Dieser habe Migranten hergelockt, um Deutschland in einen multikulturellen Staat zu verwandeln.

Ein "sozial isolierter" Einzelgänger?

Solche Verschwörungstheorien sind in rechtsextremen Kreisen weit verbreitet. So erwähnt auch die AfD George Soros immer wieder als Feindbild. Man findet diese Behauptungen auch in den Onlineforen, in denen der mutmaßliche Attentäter sich lange Zeit am Stück aufhielt. Dabei besuchte er vor allem sogenannte Imageboards, über die Nutzer anonym Hass gegen Juden, Muslime, Migranten und Frauen verbreiten können.

Über seine Äußerungen dort berichtete der Spiegel nicht. Das Magazin schreibt aber, dass sich B. gegenüber dem Ermittlungsrichter als "unzufriedenen weißen Mann" dargestellt hatte. Demnach sagte er, er sei immer ein Einzelgänger gewesen, habe nie echte Freunde oder eine Freundin gehabt. Männer wie er bekämen auch deshalb keine Frauen ab, weil Ausländer sie ihnen wegschnappten, gab er laut dem Bericht vor dem Richter an. Sein Verteidiger beschrieb den Beschuldigten als "sozial isoliert".

Stephan B. hatte am 9. Oktober während der Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, bewaffnet in die Synagoge der Stadt an der Saale einzudringen. Nachdem ihm dies nicht gelang, erschoss er den Ermittlungen zufolge auf offener Straße zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer. Der 27-Jährige gestand die Tat und sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Waffen und Sprengsätze unterm Bett versteckt

Mehrere Monate hatte sich B. auf sein Attentat vorbereitet. Auch dies berichtete der 27-Jährige dem Haftrichter, wie der Spiegel weiter schreibt. So habe er – von seinen Eltern, bei denen er noch wohnte, unbemerkt – Waffen und Sprengsätze gebaut, die er unter dem Bett und in einem Ausziehsofa versteckte.

Dabei sei sein Ziel gewesen, die Besucher der Synagoge beim Gottesdienst zu treffen, sagte er demnach aus. Eine Passantin habe ihn jedoch vollkommen aus dem Konzept gebracht, danach sei alles schiefgelaufen. Der Rechtsextremist erschoss die Frau, kurz darauf tötete er einen Gast in einem Dönerimbiss. Einen Deutschen zu erschießen sei nicht sein Ziel gewesen, sagte der Attentäter in der richterlichen Vernehmung. Er habe den Mann mit einem Ausländer verwechselt.