Neun Monate nach dem verheerenden Dammbruch in einem brasilianischen Bergwerk haben rund 900 Bewohner des Katastrophengebiets sowie die Gemeinde Brumadinho den TÜV Süd auf Schadenersatz verklagt. Wie der Spiegel unter Berufung auf den Anwalt berichtete, wurde die Zivilklage bereits am vergangenen Montag beim Landgericht München II eingereicht.

Anfang des Jahres hatten sich nach einem Dammbruch in einem Bergwerk des Minenriesen Vale nahe der Stadt Brumadinho 13 Millionen Kubikmeter Schlamm mit Bergbauabwässern in die Umgebung ergossen. Mehr als 270 Menschen starben oder gelten seitdem als vermisst.

Wie der Spiegel nun berichtet, hatten in den Monaten vor dem Unglück brasilianische TÜV-Mitarbeiter den Damm begutachtet und ihn als stabil zertifiziert. Dabei sollen sie zuvor intern Zweifel an der Sicherheit des Damms geäußert haben.

Klagesumme im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich

"Der TÜV Süd und Vale sind direkt verantwortlich für den Tod Hunderter Menschen", sagte die Schwester einer getöteten Frau, Angélica Amanda Andrade, dem Spiegel. Sie und vier weitere Hinterbliebene hatten bereits in der vergangenen Woche bei der Staatsanwaltschaft München Strafanzeigen gegen einen für Brasilien zuständigen TÜV-Süd-Manager und gegen die Prüforganisation eingereicht.

Im Zivilprozess der 900 Anwohner geht es laut dem Magazin nun um Geld. Die Höhe der Klagesumme dürfte demnach im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich liegen. Die genaue Zahl werde aber derzeit noch von den beauftragten Anwaltskanzleien SPG Law und Grohmann ermittelt.

Der Spiegel zitiert auch den TÜV Süd, dem nach eigenen Angaben keine Klage bekannt ist. Dem Bericht zufolge bildete der Konzern aber allein für Rechtsverteidigungs- und Beratungskosten Rückstellungen in Höhe von 33 Millionen Euro.